Beweis für Krankheit

Hingerichteter Brite wollte mit Lied die Welt “erlösen”

Ausland
30.12.2009 18:55
Ein Kinderlied über einen kleinen Hasen, von einem Erwachsenen mehr schlecht als recht gesungen: Normalerweise würde der Song "Little Rabbit" von der Online-Gemeinde nur Spott ernten. Doch bei seinem Interpreten handelt es sich um Akmal Shaikh, jenen 53-jährigen Briten, der am Dienstag in China wegen Drogenschmuggels hingerichtet wurde. Der Song sollte seine Geisteskrankheit dokumentieren.

Die Musikaufnahme (siehe krone.tv-Video mit Bildmaterial der Menschenrechtsorganisation "Reprieve") spricht Bände. Der Mann, der mit diesem Lied ernsthaft die Welt "erlösen" möchte, kann nicht ganz bei Verstand sein. Doch "Little Rabbit" überzeugte Chinas Gerichte nicht von der geistigen Beeinträchtigung Shaikhs.

Der 53-jährige Vater von fünf Kindern starb am Dienstag in Urumqi in Nordwestchina durch die Giftspritze. Er ist der erste europäische Staatsbürger seit fünf Jahrzehnten, der in China hingerichtet wurde.

Drogen für Aussicht auf Popstar-Dasein geschmuggelt?
Die Familie Akmal Shaikhs hatte stets argumentiert, er leide unter psychischen Problemen und sei nur vermindert schuldfähig. Trotz mehrerer Gnadenappelle hatte das Oberste Gericht in Peking geurteilt, dass die von britischer Seite vorgelegten Beweise für eine psychische Erkrankung Shaikhs nicht ausreichten. Laut Vertretern der Menschenrechtsorganisation "Reprieve" wollte Shaikh mit seinem Song "Little Rabbit" die Welt "erlösen". Es sei offensichtlich, dass er nicht bei klarem Verstand sei, argumentierten seine Vertreter.

Der Brite mit pakistanischen Wurzeln, der nach einer gescheiterten Ehe Großbritannien verließ und bald mittellos in Polen endete, war 2007 aus Tadschikistan nach Urumqi geflogen und verhaftet worden, weil er einen Koffer mit vier Kilo Heroin mitgenommen hatte. Im Oktober 2008 wurde er in einem halbstündigen Prozess deswegen verurteilt. Shaikh sei von zwielichtigen Gestalten ausgenutzt worden, die ihm ein Dasein als Popstar versprachen, wenn er für sie Drogen schmuggelte, so "Reprieve". Er sei ein gutgläubiger Mensch gewesen, dem die Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst war.

Familie greift Regierung in London an
In einem Brief an die Zeitung "The Guardian" warfen Amina und Ridwan Shaikh der Regierung am Mittwoch vor, wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China nicht genug für den Todeskandidaten getan zu haben. Der Fall ihres Cousins sei "ein Beispiel für Großbritanniens Machtlosigkeit" in der Welt. Daran habe auch der "Krieg gegen den Terror" mit den USA nichts geändert.

Während der militärische Einsatz Großbritanniens in Afghanistan teilweise mit Menschenrechtsverletzungen begründet werde, bleibe China trotz "grober Verletzungen" der Menschenrechte ungestraft. Dies habe allein mit Chinas wirtschaftlicher Macht zu tun.

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