Tausende erzürnt
Heftige Proteste nach Mubarak-Urteil in Ägypten
"Wenn wir keine Gerechtigkeit für unsere Märtyrer bekommen, werden wir wie sie sterben", skandierte die Menge auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt. Auch aus Alexandria und anderen Städten wurden Demonstrationen gemeldet.
Kurzzeitig gesellte sich auch der Präsidentschaftskandidat der Muslimbrüder, Mohamed Morsi, zu den Demonstranten auf Kairos Tahrir-Platz. Der Islamist erklärte nach der Urteilsverkündung: "Ich halte an der Todesstrafe für Mubarak fest." In einer Erklärung des islamistischen Kandidaten hieß es weiter: "Ich fordere die Ägypter auf, ihre friedliche Revolution bis zur Durchsetzung aller Ziele fortzusetzen."
Shafiks Büros in Brand gesetzt
Bei der Stichwahl am 16. und 17. Juni stehen sich Morsi und Mubaraks letzter Regierungschef Shafik gegenüber, dessen Kampagnenbüros in den Abendstunden Ziele von Angriffen wurden.
Knapp eine Woche nach der Verwüstung seiner Wahlkampfzentrale in Kairo wurden Shafiks Büros in Fajjum südlich von Kairo sowie im Badeort Hurghada am Roten Meer verwüstet und in Brand gesetzt, doch sei das Feuer rasch wieder gelöscht worden, teilten Sicherheitsbeamte mit.
Shafik will Richterspruch akzeptieren
Shafik war von Mubarak wenige Tage vor dessen Rücktritt noch zum Ministerpräsidenten einer Übergangsregierung ernannt worden. Er forderte die Ägypter auf, den Richterspruch gegen den Ex-Präsidenten zu akzeptieren. Dieser habe gezeigt, dass in Ägypten niemand über dem Gesetz stehe, zitierten ihn die staatlichen Medien.
Die Ankläger kündigten inzwischen an, gegen das Urteil zu berufen. Das berichtete das ägyptische Fernsehen unter Berufung auf Mubaraks Söhne und Sicherheitskreise.
Freispruch für Mubaraks Sicherheitschefs
Der langjährige Staatschef Mubarak war zuvor wegen seiner Verantwortung für die tödliche Gewalt gegen Demonstranten Anfang 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Kairo verurteilte auch Mubaraks früheren Innenminister Habib al-Adli wegen der Vorfälle zu lebenslanger Haft. Sechs ebenfalls wegen der Gewalt angeklagte ehemalige Sicherheitschefs wurden dagegen freigesprochen. Beim gewalttätigen Vorgehen gegen Demonstranten Anfang 2011 waren Schätzungen zufolge rund 850 Menschen getötet worden.
Die damaligen Demonstrationen lösten den Sturz Mubaraks aus. Seitdem wird Ägypten von einem Militärrat regiert, gegen den sich nun auch die Wut der Demonstranten richtete. "Nieder mit dem Militärrat" riefen am Samstagabend immer wieder die Menschen auf dem Tahrir-Platz. Der Rat soll nach der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl im Juni offiziell die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen.







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