Wegen Völkermordes
Guatemala: 80 Jahre Haft für Ex-Diktator Rios Montt
Gegen das Urteil kann der 86-jährige Rios Montt Berufung einlegen. Der Angeklagte hatte am Donnerstag jede Verantwortung für die Massaker an Maya-Ureinwohnern zurückgewiesen und sich als unschuldig bezeichnet. Zugleich warf er linksgerichteten Rebellen vor, Menschenrechtsverbrechen an Zivilisten begangen zu haben.
Applaus und Jubel im Gerichtssaal
Mit ihrem Urteil ging Richterin Barrios über die von der Staatsanwaltschaft geforderten 75 Jahre Gefängnis hinaus. Nach der Urteilsverkündung brach im Gerichtssaal Unruhe aus, wie die Prozessbeobachter der Open Society Justice Initiative auf Twitter berichteten. Zahlreiche Menschen hätten applaudiert und gerufen: "Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!" Die Anwälte von Rios Montt versuchten demnach, ihren Mandanten aus dem Saal zu geleiten. Sicherheitskräfte hätten sie daran gehindert.
Historisches Urteil
Der Ex-Machthaber musste sich seit Mitte März wegen der Massaker vor Gericht verantworten. Bei den Verbrechen in der Region Quiche wurden mehr als 1.700 Ixil-Maya umgebracht. Mehr als 100 Angehörige der Opfer sagten vor Gericht als Zeugen aus.
Das Urteil gilt unter Menschenrechtsaktivisten und Juristen als historisch. Nie zuvor ist ein de facto Staatschef von einem einheimischen Gericht wegen Völkermordes verurteilt worden. Der Prozess war zudem der erste Versuch einer juristischen Aufarbeitung der Verbrechen während des Bürgerkriegs in dem zentralamerikanischen Land, der von 1960 bis 1996 dauerte. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum mehr als 200.000 Menschen getötet.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.