Vor Parlamentswahl
Griechische Sparer ziehen täglich bis zu 800 Mio. Euro ab
"Die Menschen schreckt die Aussicht auf eine Rückkehr der Drachme", sagte der Chef des Einzelhandelsverbandes, Vassilis Korkidis, in Athen. Hamsterkäufe seien aber nicht die Lösung. "Man darf nicht in Panik verfallen. Wenn man den Kasten mit Lebensmitteln füllt, entgeht man der Krise dennoch nicht."
Unruhe wegen bevorstehender Wahl
Die nervöse Stimmung in der Bevölkerung wurde von Gerüchten angeheizt, die radikale Linke unter ihrem charismatischen Anführer Alexis Tsipras werde die Wahl klar gewinnen und die über Jahrzehnte als Weichwährung verrufene Drachme stehe vor einem Comeback.
Zur Unsicherheit trägt außerdem bei, dass die Veröffentlichung von Umfragen kurz vor der Wahl verboten ist, aber dennoch Ergebnisse von angeblich geheimen Befragungen lanciert werden. Einen klaren Sieg der radikalen Linken, die sich nach den letzten verfügbaren Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Reformbefürwortern von der konservativen ND liefern wird, halten Demoskopen hinter vorgehaltener Hand für unwahrscheinlich. "Das dürften gezielt gestreute Zahlen sein, mit denen Parteien ihre Position verbessern wollen."
Schäuble: "Sieg der Linken wäre keine Gefahr für den Euro"
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht auch für den Fall eines Wahlsieges der Spargegner in Griechenland keine Gefahr für den Euro. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Minister dem Magazin "Stern": "Das glaube ich nicht." An der Notwendigkeit, harte Maßnahmen zur Sanierung des Landes zu ergreifen, ändere das Wahlergebnis ohnehin nichts. Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Währungsraum sei kaum möglich. "Wir wollen nicht und wir können rechtlich noch nicht einmal irgendjemanden aus der Euro-Zone drängen", unterstrich der CDU-Politiker. "Die Nachteile wären zudem erheblich", warnte Schäuble.
Sein französischer Kollege Pierre Moscovici erklärte, sein Land habe sich auf alle Eventualitäten beim Wahlausgang in Athen einzustellen. "Aber die Griechen entscheiden und wir müssen ihr demokratisches Votum respektieren."
Druck auf Banken durch Griechen-Krise
Die Ratingagentur Fitch kommt in einem Euro-Ausstiegsszenario für Hellas zu dem Schluss, dass "die griechischen und zypriotischen Banken in der direkten Schusslinie stehen würden". Bis auf wenige Institute müssten die Banken der Euro-Zone jedoch nur mit "mäßigen" Folgen rechnen. "Banken mit Filialen oder Tochtergesellschaften in Griechenland wären am stärksten betroffen", hieß es weiter.
Die langjährige Zitterpartie um den Euro-Wackelkandidaten Griechenland hat bei den Banken des südeuropäischen Landes zu einem dramatischen Aderlass geführt: Nach Daten der Zentralbank schmolzen allein im vorigen Jahr 17 Prozent der Einlagen ab. In den vergangenen Tagen hätten auch Kunden bei kleineren Banken ihre Konten geplündert, hieß es in Bankenkreisen. Zwischen zehn und 30 Millionen Euro seien dabei täglich auch bei den kleineren Instituten abgehoben worden. In Athen erklärte ein Banker aber, der hohe Abfluss der Einlagen sei für die Geldhäuser beherrschbar, da ihnen die Europäische Zentralbank entsprechende Summen bereitstelle.







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