Lkw-Fahrer streiken

Griechenland ohne Sprit: Tausende Urlauber sitzen fest

Ausland
31.07.2010 10:47
Nach mehreren Tagen Streik der Tank- und Lastwagenfahrer gibt es in Griechenland kaum noch Benzin. Zudem machten sich am Freitag zunehmend Engpässe bei der Versorgung mit Obst und Gemüse bemerkbar. Hunderte Urlauber ließen in den letzten Tagen ihre Mietwagen einfach stehen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen. Zehntausende Touristen müssen indes in Hotels und auf Campingplätzen ausharren, weil sie nicht weiterfahren können. Reisebüros schlugen am Freitag wegen erster Stornierungen Alarm.

Trotz des Einsatzes der Armee bei der Treibstofflieferung mussten nach Behördenangaben am Samstag viele Tankstellen im ganzen Land geschlossen bleiben. Eine bereits am Mittwoch erlassene Notverordnung, mit der Regierungschef Giorgos Papandreou die Fahrer zur Arbeit verpflichtete, zeigte bisher keine Wirkung.

Vor allem die griechische Tourismusbranche leidet unter dem Streik. Der Präsident der griechischen Handelskammer, Vassilis Korkidis, sagte dem Fernsehsender Net, der seit vergangenem Sonntag andauernde Streik treffe das Land "auf dem Höhepunkt der Urlaubssaison". "Wir haben nun eine ganze Woche verloren", sagte Korkidis.

Streik auf unbestimmte Zeit verlängert
Die griechischen Tank- und Lastwagenfahrer streiken bereits seit Montag. Freitagnachmittag beschlossen die Gewerkschaften der Tank- und Lastwagenbesitzer dann, den Ausstand auf unbestimmte Zeit zu verlängern. 

Griechische Medien zeichnen derzeit ein düsteres Bild und sehen das Land nahe am Zusammenbruch. Die Arbeit bei vielen Unternehmen wurde eingestellt, die Industrie klagt über Lieferengpässe. Einige kleinere Fähren stellten den Verkehr wegen Treibstoffmangels ein. 

Tourismus: "Es ist der Gnadenschuss"
Die Reiseveranstalter riefen am Freitag die Regierung auf, sofort etwas zu unternehmen, andernfalls werde der Tourismus zusammenbrechen. Tausende Urlauber hätten bereits ihre Reisen storniert, weil sie Angst haben, mit dem Auto steckenzubleiben. "Wir gehen in Richtung eines Bankrotts. Es ist der Gnadenschuss für den Tourismus", hieß es in der Erklärung der Verbände. 

Das Mietwagengeschäft hat im Tourismus Griechenlands eine hohe Bedeutung. Viele Touristen unternehmen auf dem Festland eine Rundfahrt, bevor sie sich zum Badeurlaub auf eine Insel begeben. Aber auch dort ist oft ein Mietauto das beste Fortbewegungsmittel. Allein auf Kreta hätten dieser Tage mehr als 200 Touristen ihre Mietfahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen, berichten griechische Medien.

Außenamt und österreichische Reisebüros eher gelassen
Beim österreichischen Außenministerium sieht man die Lage weniger eng. "Uns sind derzeit nur Probleme auf der Insel Korfu bekannt. Die Versorgung in Athen und auf Kreta scheint gewährleistet", sagte Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal am Freitag. Man gehe zudem davon aus, dass die griechische Regierung bald für eine Lösung sorgen werde. Bis jetzt habe es weder beim Außenamt noch bei der Botschaft in Athen viele Anfragen zur derzeitigen Lage gegeben. "Das ist in der Regel ein gutes Zeichen", so der Sprecher.

Bei den heimischen Reiseveranstaltern zeigt man sich ebenfalls eher gelassen. "Unsere Geschäftspartner vor Ort können uns von keinen größeren Problemen berichten", heißt es beim Verkehrsbüro. Für gecharterte Reisebusse und Mietautos würden eigene Tankstellen zur Verfügung stehen, die nicht vom Streik betroffen seien. Stornierungen gebuchter Reisen hätte es bisher keine gegeben. Auch bei TUI heißt es, alle Transfers könnten planmäßig durchgeführt werden. Der Autofahrerclub ÖAMTC rät Griechenland-Urlaubern dennoch, noch vor der Grenze vollzutanken und im Land jede Möglichkeit zum Nachtanken zu nutzen. 

Begehrte Lizenzen verlieren durch EU-Gesetz ihren Wert
Beim Streik geht es übrigens um die Umsetzung einer EU-Richtlinie. Die Eigentümer und Fahrer der rund 30.000 Tank- und Lastwagen Griechenlands protestieren gegen die von der Europäischen Union beschlossene sogenannte Öffnung geschlossener Berufe. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens bis zu 300.000 Euro. Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt ihr Wert immer mehr. Dies soll nach einem Gesetzesentwurf in den nächsten drei Jahren stufenweise durch die Ausgabe neuer Lizenzen geändert werden.

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