Streit in Ägypten
Gericht hebelt gesetzgebende Versammlung aus
Präsident Mohammed Mursi (Bild) hatte zuletzt für Oktober Parlamentswahlen in Aussicht gestellt. Auch der Verfassungsrat, der die im Dezember per Referendum angenommene Verfassung ausgearbeitet hatte, wurde vom Gericht für verfassungswidrig erklärt.
Der Senat ist derzeit das einzige gesetzgebende Organ, da es seit rund einem Jahr keine zweite Parlamentskammer gibt. Das Unterhaus war bereits 2012 nach einem ähnlichen Gerichtsurteil aufgelöst worden. Nach Angaben des Präsidenten des Verfassungsgerichts, Maher al-Beheiri, kann der Senat zwar vorerst weiter bestehen, er dürfe jedoch keine Gesetze mehr erlassen.
Welche konkreten Auswirkungen der Spruch des Verfassungsgerichtshofs über den Verfassungsrat hat, war vorerst unklar. Manche Experten gehen davon aus, die Verfassung könnte nicht für ungültig erklärt werden, weil sie per Volksabstimmung von einer Mehrheit der Bevölkerung angenommen worden sei.
Heftiges Tauziehen
Zwischen den obersten Staatsorganen Ägyptens gibt es seit Monaten ein heftiges Tauziehen. Während die regierenden Islamisten und Mursi argumentieren, juristische Reformen seien nötig, um den Transformationsprozess nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak zu vollenden, wehrt sich die Justiz gegen Machteinbußen und den wachsenden Einfluss der Muslimbruderschaft.
Das am Sonntag gefällte Urteil dürfte die Spannungen einmal mehr anheizen. Vor der Bekanntgabe der jüngsten Entscheidung wurde der Polizeischutz rund um das Gebäude des Verfassungsgerichts in einem Randbezirk der Hauptstadt Kairo verstärkt. Im Dezember war das Gericht von Anhängern von Präsident Mohammed Mursi belagert worden, als es eine Entscheidung zur Rechtmäßigkeit der Verfassungskommission bekannt geben wollte.







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