"Concordia"-Unglück

Gericht entscheidet nun über Prozess gegen Schettino

Ausland
15.04.2013 16:54
In der toskanischen Stadt Grosseto hat am Montag die Voranhörung von sechs Beschuldigten im Rahmen des Verfahrens um die Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" begonnen. Beschuldigt werden Kapitän Francesco Schettino (Bild), ein Steuermann, ein Krisenmanager bei der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere sowie drei Offiziere. Die Richter sollen entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen die sechs Beschuldigten kommt.

Schettinos Verteidiger Francesco Pepe betonte, dass der Kapitän einen Arbeitsunfall erlitten habe. "Man kann ihn dafür nicht kriminalisieren", sagte Pepe. Laut dem Verteidiger sei die Gesellschaft Costa Crociere, Betreiber des Kreuzfahrtschiffes, wegen schwerer Sicherheitsmängel an Bord für das Unglück verantwortlich. Costa Crociere versuche jetzt, dem Kapitän die ganze Schuld für das Unglück in die Schuhe zu schieben. Pepe bestritt auch, dass sein Mandant das Schiff mit Tausenden Passagieren an Bord verlassen habe.

Schettino muss sich im Fall einer Anklage wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, Havarie und des Verlassen des Schiffes verantworten.

Kreuzfahrtgesellschaft zahlt eine Million für Fehlverhalten
Costa Crociere beteiligt sich als Zivilkläger an dem Verfahren. Gegen die Kreuzfahrtgesellschaft wird es keinen Prozess geben. Sie hatte sich vergangene Woche mit dem Gericht auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen zahlt eine Million Euro für das Fehlverhalten seiner Mitarbeiter. Die Reederei will als Nebenklägerin Schadensersatz für den Verlust des Schiffes fordern.

Die ungefähr 1.000 Bewohner der Insel Giglio, vor der das Kreuzfahrtschiff auf Grund gelaufen ist, verlangen eine finanzielle Entschädigung von mindestens 80 Millionen Euro für das Schiffsunglück im Jänner 2012, berichtete der Rechtsanwalt der Gemeinde Giglio, Alessandro Maria Lecci. Die Gemeinde sieht ihre Zukunft als Touristenziel beeinträchtigt und will ebenfalls als Zivilkläger am Prozess teilnehmen - so wie der Konsumentenschutzverband Codacons und weitere 200 Personen.

Anwälte der Passagiere fordern eine Million Euro pro Person
Die Rechtsanwälte von etwa 100 Concordia-Passagieren stellten einen Antrag auf Konfiszierung eines Costa-Schiffes oder von Anteilen an der Reederei als Garantie für eine Entschädigung ihrer Mandanten. Sie verlangen eine Million Euro pro Person.

Die "Costa Concordia" hatte am 13. Jänner 2012 mit mehr als 4.200 Menschen an Bord einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war auf Grund gelaufen. Dabei starben 32 Menschen. An Bord befanden sich 77 Österreicher. Costa Crociere hat seine Mitverantwortung anerkannt, da mehrere Angestellte des Unternehmens als Schuldige des Unglücks gelten. Die Gesellschaft gehört zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival.

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