Neue Luftschläge

Gadafi bläst zum Angriff und ist empört über Europa

Ausland
15.03.2011 14:17
Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi haben einem Fernsehbericht zufolge ihre Luftangriffe auf Rebellen fortgesetzt. Die Stadt Ajdabiya im Osten des nordafrikanischen Landes sei Ziel von mindestens vier Angriffen gewesen, hieß es in einem Bericht des Senders Al-Jazeera. Unterdessen präsentiert sich Gadafi in einem Interview mit einer italienischen Tageszeitung schockiert über den "Verrat" Europas - besonders vom italienischen Premier Silvio Berlusconi fühle er sich hintergangen.

Ajdabiya ist die größte Stadt zwischen der Front und der Rebellenhochburg Bengasi, sie wurde bereits am Montag bombardiert. Nach Angaben von Rebellen kämpfen beide Seiten unterdessen auch um die Ölstadt Brega im Osten des Landes. Dabei sei bisher nicht zu erkennen, wer die Oberhand habe, hieß es.

Die Aufständischen in Libyen scheinen der geballten Militärmacht von Staatschef Gadafi immer weniger entgegensetzen zu können. Nach ihren jüngsten Gebietsgewinnen im Osten gehen die Truppen des Regimes nun verstärkt gegen die von ihnen eingekesselten Städte im Westen des Landes vor. Ein Augenzeuge sagte Al-Jazeera, die Aufständischen hätten innerhalb weniger Stunden die Kontrolle über die Kleinstadt Suara nahe der tunesischen Grenze verloren. Auch Misurata, eine der größeren Städte im Westen, liege unter Beschuss. Weiterhin umkämpft ist nach Auskunft eines Sprechers der Aufständischen zudem die Stadt Al-Sawiya.

Mehrere Rebellenkommandanten hatten am Montag angedeutet, dass sie ein Blutbad befürchten, falls sich die internationale Gemeinschaft nicht zur Einrichtung einer Flugverbotszone durchringen sollte. Ein Amnestie-Angebot der Führung für "reuige" Rebellen, die ihre Waffen abgeben, machte auf die Aufständischen nicht viel Eindruck.

Gadafi schockiert über "Verrat" Europas
Der libysche Machthaber Muammar al-Gadafi hat unterdessen erklärt, über den "Verrat" Europas erschüttert zu sein. "Ich bin über das Verhalten meiner europäischen Freunde wirklich schockiert. Auf diese Weise haben sie ernsthaft eine Reihe von Abkommen über die Themen Sicherheit und wirtschaftliche Kooperation gefährdet, die in ihrem Interesse waren", sagte Gadafi in einem exklusiven Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale".

Gadafi gab außerdem an, er fühle sich vom italienischen Premierminister Silvio Berlusconi verraten, mit dem er eine gute Freundschaft und eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit aufgebaut gehabt habe. "Ich weiß nicht, was ich Berlusconi sagen soll. Ich bin vollkommen schockiert und fühle mich verraten. Ich habe keinerlei Kontakte mehr, weder zu Italien noch zu Berlusconi", sagte Gadafi.

Der 69-Jährige warnte vor der Gefahr einer riesigen Flüchtlingswelle in Richtung Europa. "Wenn statt einer stabilen Regierung, die Sicherheit garantiert, Banden mit Verbindungen zu Osama bin Laden die Führung des Landes übernehmen, werden sich die Afrikaner in Massen in Richtung Europa in Bewegung setzen. Das Mittelmeer wird ein Meer des Chaos werden", betonte Gadafi.

Gadafi sieht die Rebellen schon als Verlierer
Der libysche Machthaber schloss jeglichen Dialog mit den Aufständischen aus. "Das Volk ist mit mir. Die Leute bitten uns, sie von diesen bewaffneten Banden zu befreien. Es ist unmöglich, mit Terroristen mit Beziehungen zu Osama bin Laden zu verhandeln. Sie selber glauben nicht an den Dialog. Sie denken nur an den Kampf und sie töten nur. Die Bevölkerung hat von diesen Menschen Angst, wir müssen sie befreien", sagte Gadafi. 

Der von Rebellen gebildete Nationalrat in Bengasi stehe laut Gadafi unter Kontrolle des internationalen Terrornetzwerks Al-Kaida. "Die Rebellen haben keine Hoffnungen mehr, ihr Kampf ist verloren. Sie können nur kapitulieren oder flüchten. Diese Terroristen benutzen die Zivilisten als menschliche Schutzschilder", erklärte Gadafi.

"Ich habe keine Angst"
Er habe keine Absicht, sein Land zu verlassen. Er habe nichts mit dem tunesischen Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali und mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak gemeinsam, die geflüchtet seien. "Ich bin anders als sie. Die Leute sind auf meiner Seite und geben mir Kraft. Ich habe keine Angst", so Gadafi.

Einen Tod wie jenen des irakischen Machthabers Saddam Hussein befürchte er nicht. "Wir führen einen Krieg gegen Al-Kaida. Wenn die westlichen Länder sich aber mit uns wie mit dem Irak verhalten sollten, würde Libyen die internationale Allianz gegen den Terrorismus verlassen. Dann verbünden wir uns mit Al-Kaida und erklären den Heiligen Krieg", so Gadafi.

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