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02.09.2014 - 18:51

Fukushima: Bericht erhebt massive Vorwürfe

27.12.2011, 09:02
Fukushima: Bericht erhebt massive Vorwürfe (Bild: AP, DigitalGlobe)
Foto: AP, DigitalGlobe
Eine von Japans Regierung eingesetzte Expertenkommission wirft dem AKW- Betreiber Tepco schwere Versäumnisse bei der Fukushima- Katastrophe vor. Zudem wird in einem nun vorgelegten Zwischenbericht auch das Krisenmanagement der Regierung kritisiert. Indes ersuchte Tepco die japanische Regierung um weitere Hilfen in der Höhe von 700 Milliarden Yen (knapp sieben Milliarden Euro), um Entschädigungen für betroffene Familien auszuzahlen.

In dem am Montag präsentierten Bericht, dessen Endfassung im Sommer 2012 veröffentlicht werden soll, werfen die Experten Tepco vor, die Gefährdung des Atomkraftwerks falsch eingeschätzt und Mitarbeiter nicht ausreichend ausgebildet zu haben. Tepco sei nicht auf eine 14 Meter hohe Tsunami- Welle vorbereitet gewesen, obwohl die Gefahr real gewesen sei. "Tepco rechnete nicht mit einer Situation, in der alle Stromquellen in mehreren Reaktoren wegen einer Naturkatastrophe gleichzeitig unterbrochen würden, und hat die Mitarbeiter nicht ausgebildet, darauf zu reagieren", kritisieren die Fachleute in dem mehr als 500- seitigen Papier.

Kritik an Tepco wegen Kernschmelzen

Tepco habe zudem falsch auf die Katastrophe reagiert, heißt es in dem Bericht, für den 456 Personen befragt wurden, die in irgendeiner Weise an der Katastrophe beteiligt gewesen waren. Demnach hätten die Kernschmelzen und das Entweichen radioaktiven Materials begrenzt werden können, wenn in den Reaktoren 1 und 3 früher Druck abgelassen und schneller Wasser zur Kühlung zugeführt worden wäre. Auch sei die Kommunikation zwischen den Einsatzteams mangelhaft gewesen - so hätten kleine Gruppen immer wieder eigenmächtig Entscheidungen getroffen, ohne die Vorgesetzten darüber zu informieren.

Regierung versagte bei Evakuierungsmaßnahmen

Auch die Arbeit der Regierung wird in dem Papier scharf angegriffen. So hätten sich Wirtschaftsministerium und Atomsicherheitsbehörde zwar darüber beklagt, von Tepco nicht schnell genug Informationen über die Entwicklungen in Fukushima zu erhalten - zugleich seien aber auch keine Behördenvertreter in den Unternehmenssitz entsandt worden, um genauere Informationen einzuholen. Ebenso seien die Evakuierungsanweisungen der Regierung teils höchst fehlerhaft gewesen: Die Bewohner einiger Gegenden, die ihre Häuser verlassen sollten, seien in Regionen gebracht worden, in denen die radioaktive Belastung nach der Katastrophe sogar noch höher war.

Nur noch sechs von insgesamt 54 Reaktoren laufen

Indes laufen neuneinhalb Monate nach der Atomkatastrophe derzeit überhaupt nur mehr sechs der 54 Reaktoren des Landes. Der Stromversorger Kyushu Electric Power nahm in der Nacht auf Montag seinen Reaktor in Genkai im Südosten Japans für vorgeschriebene Wartungsarbeiten vom Netz. Auch die noch arbeitenden Reaktoren müssen bis Ende Mai 2012 für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Die mehrwöchigen Kontrollen sind alle 13 Monate vorgeschrieben. Vor dem Wiederanfahren müssen sie aufgrund der Atomkatastrophe von Fukushima sogenannte Stresstests bestehen.

Tepco muss weitere Entschädigungen zahlen

Den Schritt, um weitere Hilfsgelder in Milliardenhöhe für Entschädigungszahlungen anzusuchen, begründete Tepco am Dienstag damit, dass die Regierung in Tokio den Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert habe. Die japanische Regierung hatte bereits im November eine erste Tranche von umgerechnet 8,4 Milliarden Euro aus einem Entschädigungsfonds freigegeben, der nach der Atomkatastrophe eingerichtet worden war.

Verheerendes Beben und Tsunami am 11. März

Im AKW Fukushima war am 11. März durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 und einem anschließenden Tsunami das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe in den Reaktoren 1 und 3 vollständig schmolzen. Um die Reaktorkammern zu kühlen, besprühen die Reparaturtrupps sie nach wie vor mit Wasser. Dazu errichtete Tepco ein Zirkulationssystem, mit dessen Hilfe nach Angaben des Betreibers inzwischen eine stabile Kühlung der Reaktoren gewährleistet ist. Die Entsorgung des verseuchten Wassers stellt aber weiter eines der größten Probleme dar.

AG/red
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