"Entscheidend"

Fortschritte in Boston: FBI sucht zwei Verdächtige

Ausland
18.04.2013 08:57
Nach dem tödlichen Terroranschlag von Boston verfolgen die Ermittler US-Medienberichten zufolge nun eine konkrete Spur. So sollen auf Fotos und Fernsehbildern vom Tatort zwei verdächtige Personen entdeckt worden sein. Die von mehreren Sendern vermeldete Festnahme eines Verdächtigen dementierte das FBI zwar in der Nacht auf Donnerstag, zuvor war aber von "entscheidenden Fortschritten" bei den Ermittlungen die Rede.

Laut CNN suchen die Fahnder nach zwei verdächtigen Männern, die am Montag nahe der Marathon-Ziellinie fotografiert worden waren. Einer der Männer habe einen schwarzen Rucksack getragen. Weitere Fahndungsdetails: Ein Verdächtiger sei mit einer weißen Baseball-Kappe, einem hellen Kapuzenshirt und einer schwarzen Jacke bekleidet gewesen, hieß es unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Behördenvertreter. Es sei bisher aber noch nicht gelungen, die Verdächtigen namentlich zu identifizieren.

Die Zeitung "Boston Globe" berief sich auf Ermittlungen, wonach ein Verdächtiger am Ort der zweiten Explosion in der Boylston Street eine schwarze Tasche getragen und womöglich dort abgelegt habe. Die Kamera eines auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Geschäfts habe klare Bilder vom Tatort geliefert, hieß es. Unklar ist jedoch, ob auch der Verdächtige von dieser Kamera gefilmt wurde.

Gouverneur: Lösung des Falles rückt "mit jeder Stunde" näher
Die Ermittler kämen voran, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts, Deval Patrick, gegenüber CNN. Mit "jeder Stunde" sei man der Lösung des Falles näher. Zugleich bat er aber um Geduld: "Wenn die Ermittler damit fertig sind, sich ein komplettes Bild zu machen, werden sie uns sagen, wie dieses aussieht", so Patrick.

Zuvor hatten die Sicherheitsbehörden weitere Einzelheiten zur Bauart einer der Bomben bekannt gegeben. Diese habe aus einem mit einem Zünder versehenen Schnellkochtopf bestanden, der neben Schwarzpulver auch Nägel und Metallteile enthalten habe. Teile des Topfdeckels wurden CNN zufolge am Mittwoch auf einem Hausdach in der Nähe der Ziellinie gefunden. Ob auch die zweite Bombe aus einem Schnellkochtopf gebaut war, sei noch unklar. Beide Sprengsätze wurden nach FBI-Angaben vermutlich in schwarzen Nylontaschen zum Tatort gebracht.

US-Medien berichteten, dass die Bomben nicht mittels eines Fernzünders, sondern wohl mit handelsüblichen Eieruhren zur Detonation gebracht wurden. Die Fundstücke wurden an ein Speziallabor des FBI geschickt. Dort sollen die Bomben rekonstruiert werden, um Rückschlüsse auf die Herkunft und die möglichen Bombenbauer zu erlangen.

Wüste Spekulationen um "Mann auf dem Dach"
Unterdessen verbreiten sich mitunter skurrile Theorien im Internet, die von Hobbydetektiven Stück für Stück zusammengetragen werden. So sorgte das Foto eines Mannes, der auf dem Dach eines Hochhauses in der Nähe des Marathon-Ziels steht und die Explosionen beobachtet, für intensive - und nicht immer ernst gemeinte - Diskussionen auf Facebook und Twitter. Der Schnappschuss wurde vom Studenten Dan Lampariello angefertigt und auf seiner Twitter-Seite gepostet. Kurze Zeit später waren laut "Huffington Post" die Begriffe "Boston Marathon roof" die meistgesuchten unter den Twitter-Usern.

"Wer ist der Mann?", fragen sich zahlreiche Menschen im Internet. Obwohl die Person nur schemenhaft zu erkennen ist, wollen die selbst ernannten Detektive erkannt haben, dass er dem Bombenhorror am Rande des Bostoner Marathons "regungslos" zusehe bzw. "keine Reaktion" zeige und damit auf jeden Fall sehr verdächtig erscheine.

Zwei Verletzte schweben noch in Lebensgefahr
Bei der Explosion der Bomben waren ein achtjähriger Bub, eine 29 Jahre alte US-Amerikanerin und eine Studentin aus China getötet worden. Zwei der mehr als 180 Verletzten schwebten am Donnerstag noch in Lebensgefahr. Der Zustand von zehn weiteren Personen sei ernst, meldete CNN unter Berufung auf das Bostoner Traumazentrum.

Präsident Obama wird am Donnerstag zu einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in Boston erwartet. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wehen noch bis Samstag auf halbmast.

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