Der Airport- Betreiber Fraport und die 200 Flugzeugeinweiser weichen im Tarifclinch keinen Millimeter von ihren Positionen ab. Daher weiten die Vorfeld- Beschäftigten ihren Streik am Frankfurter Flughafen nun bis Freitagabend aus und erhöhen so den Druck auf Fraport. Ursprünglich sollte der Streik schon Mittwoch früh um 5 Uhr enden.
Hintergrund des Konfliktes ist, dass Fraport die Forderung der GdF nach einem eigenen Tarifwerk mit hohen Gehaltssteigerungen für die rund 200 Vorfeldbeschäftigten nicht akzeptieren will. Die Gewerkschaft verlangt deutliche Lohnerhöhungen für die Flugzeug- Einweiser in Frankfurt. Die Arbeit der Vorfeld- Beschäftigten, die Jets etwa Parkpositionen zuweisen, sei mit der Eröffnung der vierten Landebahn wesentlich anspruchsvoller geworden, argumentieren die Arbeitnehmervertreter.
Fraport dagegen spricht von überzogenen Forderungen der GdF, die auf Gehaltserhöhungen um bis zu 70 Prozent hinauslaufen würden. Ein Gütevorschlag des als Schlichter eingesetzten früheren Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust brachte keinen Durchbruch. Die Gewerkschafter hatten den Schlichterspruch angenommen, Fraport hatte ihn jedoch abgelehnt. Das pikante daran: Der Flughafenkonzern hatte Beust selbst benannt, den Kompromiss aber nicht angenommen, da er das Gehaltsgefüge innerhalb des Unternehmens sprengen würde.
Die Fronten in dem seit Monaten schwelenden Tarifstreit sind nun vollkommen verhärtet und eine schnelle Einigung nicht absehbar. Die Tarifparteien belauern sich und warten darauf, dass der andere den ersten Schritt macht. Derzeit herrscht Funkstille - beide reden nicht einmal miteinander. Es könne noch dauern, bis die Gespräche wieder aufgenommen werden, sagte Fraport- Personalvorstand Herbert Mai. "Wir können den Streik auch noch wochenlang aushalten", ergänzte er in der Abflughalle des Flughafens, in der Fraport seit Beginn des Streiks am Donnerstag täglich Pressekonferenzen abhält.
Reisende müssen sich nun bis zum Wochenende auf zahlreiche Flugausfälle und Verzögerungen einstellen. Für Mittwoch wurden bereits drei Lufthansa- Flüge zwischen Wien und Frankfurt storniert. Auch am Donnerstag wird mindestens ein Flug auf der selben Strecke ausfallen, teilte die AUA- Mutter Lufthansa auf ihrer Homepage mit. Weitere Stornierungen für Frankfurt- Flüge sind in den nächsten Tagen in ganz Österreich möglich.
Fraport hat sich auf den Arbeitskampf dennoch gut vorbereitet. Personal wurde entsprechend geschult, so dass ein Notbetrieb aufrechterhalten werden kann. "Wir sind guten Mutes, den Verkehr in den nächsten Tagen noch besser in den Griff zu kriegen", sagte Fraport- Personalvorstand Mai.
Die Arbeitnehmervertreter kritisieren das Vorgehen und werfen Fraport vor, unqualifizierte Angestellte einzusetzen und damit die Sicherheit am Flughafen zu gefährden. "Da werden nämlich Leute eingesetzt, die nur in zwei Tagen geschult werden für Aufgaben, die andere in sechs Monaten erlernen", sagte ein GdF- Sprecher.
Von dem Notbetrieb profitieren allerdings die Airlines. Bei der Lufthansa sollen dadurch weniger Flüge ausfallen als in den vergangenen Tagen. An ihrer Heimatbasis musste Deutschlands größte Airline am Dienstag 160 Flüge streichen. Am Montag musste die Kranich- Linie noch 200 Verbindungen annullieren. Kunden können ihre Reise kostenlose stornieren, auf einen anderen Tag verschieben oder auf die Bahn umbuchen.
An den ersten beiden Streiktagen Ende vergangener Woche gingen Fraport nach früheren Angaben zusammen 3,5 bis 4 Millionen Euro Umsatz verloren. Die Lufthansa büßte nach Analystenschätzungen an den beiden Tagen insgesamt 40 Millionen Euro an Umsatz ein.