"Nichts wie weg!" - zitternd und mit schweißnassen Händen lenkt Chauffeur Charles unseren Geländewagen durch die engen Straßen von Port- au- Prince. Keine Ampel, kein Uniformierter, kein anderes Auto kann ihn stoppen. Vollgas. Nach ein paar Minuten atmet er durch und gibt Entwarnung: "Geschafft!" - Alltag in Haiti. Die Radiomeldung von einer Entführung, nervöse Polizisten mit gezogenen Pistolen an den Kreuzungen und die Gewissheit, dass die Kidnapper in der Nähe sind, hatten zur wohl rettenden "Amokfahrt" geführt.
Jetzt atmet auch Monsignore Michael Landau, Österreichs Caritas- Direktor, beim Lokalaugenschein hörbar durch. Dass in Haiti anno 2012 in so manchen Situationen nur ein Stoßgebet die einzige Hoffnung ist, will der couragierte Priester gar nicht verheimlichen. "Port- au- Prince ist nichts für Hasenfüße", das weiß Landau schon lange - auch von seinen 15 Mitarbeitern, darunter drei junge Frauen, die gegen Kriminalität, Korruption und Cholera ankämpfen. Denn hier nahe dem Elendsviertel Cité Soleil herrscht das Verbrechen. Hinter den verrosteten Wellblechbaracken sind 3.000 Kriminelle, Häftlinge, die beim Beben aus den eingestürzten Gefängnissen entkommen waren, untergetaucht. Zwischen den Buden und Schutthalden hausen aber auch Tausende Kinder und Jugendliche als Waisen der Apokalypse.
"Es geht hier nicht um falsch verstandenes Heldentum. Nur wenn diese jungen Leute eine ordentliche Ausbildung erhalten, haben sie eine Chance auf Zukunft", so Landau. Obwohl bereits ein Bauleiter Opfer eines Schussattentates geworden ist, wagt sich die Caritas- Crew immer wieder hinein in das gefährlichste Getto der Karibik.
Mehr als 700 Tage nach dem Horrorbeben liegt das Land noch immer am Boden: 500.000 Haitianer leben in Zeltstädten. Und noch weiteres Elend lastet auf dem 1492 von Kolumbus entdeckten Eiland: die Cholera. 7.000 Menschen sind bereits an der Cholera elend zugrunde gegangen, 520.000 tragen den tödlichen Keim in sich. Dennoch heulen die Caritas- Mitarbeiter nicht mit den Wölfen, die das baldige Ende der Karibikinsel prophezeien. Im Gegenteil: Hygiene ist das Zauberwort, das hilft, gegen schwarze Magie und abstrusen Aberglauben anzukämpfen. Ordentliche Trinkwasserversorgung, Waschen, Sauberkeit und hygienische Plumpsklos sind wirksame Waffen gegen den Pessimismus.
"Kaum jemand hier weiß, wie es zur Todesseuche kommt. So, wie im historischen Europa viele dachten, dass die Pest durch unsichtbare Giftpfeile diabolischer Geister verbreitet wird, glauben noch heute etliche Haitianer, dass ein böser Zauber hinter der Cholera steckt", so Projektleiter Grev Hunt. Aus blinder Angst richtete sich der Volkszorn gegen die eigenen Voodoo- Priester: 30 wurden gelyncht!
In der Caritas- Cholerastation erklärt Henry den Leuten, was tatsächlich gegen die Todespest hilft. Lucille (34), vierfache Mutter, kann schon wieder lächeln. "Sie ist überm Berg", so Henry. Bei der abendlichen Besprechung taucht Hollywood- Gigant Sean Penn an der Hotelbar auf. Er weiß, "dass die Caritas einen 'magnificent job' macht und das Schulprojekt professionell durchdacht ist". Anerkennend gratuliert der Star.
Der Besuch der Schul- Baustelle beweist, dass das Lob von Sean Penn angebracht ist: Lokale Arbeiter mit ausgemergelten Gesichtern spucken in die Hände und packen an. Sie sind überglücklich, beim Wiederaufbau dabei zu sein: Arbeit und Zukunft in einem! Übrigens: Das riesige Areal wird von einer drei Meter hohen Mauer umzäunt - zur Sicherheit. Somit ist eines garantiert: Die Spenden kommen sicher an.
Caritas- Spendenkonto:
PSK 7.700.004
BLZ 60.000
Kennwort: Erdbeben Haiti