F: "Guru" brachte Adelsfamilie ums gesamte Vermögen

13.11.2012, 16:25
F: "Guru" brachte Adelsfamilie ums gesamte Vermögen (Bild: AP)
Foto: AP
Fast zehn Jahre lang hatte der "Guru" Thierry Tilly (li.) eine französische Adelsfamilie unter seiner Kontrolle - und brachte sie dabei um ihr gesamtes Hab und Gut. Am Dienstag verurteilte ihn ein Gericht in Bordeaux wegen Freiheitsberaubung, Betrugs sowie Gewalt gegen eines seiner Opfer zu acht Jahren Haft. Der 48- Jährige habe seine Opfer (im Bild re. einige davon nach dem Prozess) systematisch "psychologisch unterworfen" und dabei deren Schwäche ausgenutzt, stellte die Richterin zum Abschluss des aufsehenerregenden Verfahrens fest.

Begonnen hatte der Fall im Jahre 1999, als Tilly die Adelige Ghislaine de Vedrines kennenlernte, die ihn in ihrer Sekretärinnenschule in Paris anstellte. Sie stellte den in französischen Medien gerne als "Guru" und "moderner Rasputin" bezeichneten Mann nach und nach ihren Angehörigen vor.

"Geheimagent" faselte von Freimaurerkomplott

Dem unscheinbar aussehenden Mann mit der randlosen Brille gelang es, sich das Vertrauen der damals zwischen 16 und 86 Jahre alten Mitglieder der südwestfranzösischen Familie zu erschleichen. Dabei machte der Mann seinen Opfern vor, sie seien durch ein Freimaurerkomplott bedroht. Er selber wiederum sei ein Geheimagent mit der Aufgabe, sie zu beschützen.

Elf Mitglieder der protestantischen Adelsfamilie ließen sich daraufhin zwischen 2001 und 2009 vollkommen von Tilly manipulieren. Sie zogen sich jahrelang auf das Familienschloss im südwestfranzösischen Monflanquin zurück. Ghislaine de Vedrines' Mann, der nicht an die Geschichten des Hochstaplers glaubte, wurde sogar von dem Clan ausgeschlossen. Er habe dadurch jahrelang den Kontakt zu seiner Frau und seinen beiden Kindern verloren, sagte er vor Gericht aus.

Als Tilly 2008 nach Großbritannien zog, wo er angeblich für die mysteriöse Stiftung Blue Light Foundation arbeitete, folgten ihm seine völlig hörigen Opfer. Sie selbst und zwei weitere Familienmitglieder seien in einer winzigen Londoner Wohnung eingepfercht gewesen und hätten kaum zu essen bekommen, berichtete ein junges Familienmitglied.

Über 4,5 Millionen Euro erschwindelt und verprasst

Im Laufe der Jahre verkaufte die Familie für den "Guru" nach und nach ihren Besitz, darunter ihr imposantes Schloss. Einen Großteil der so erbeuteten mehr als 4,5 Millionen Euro hatte Tilly dem ebenfalls angeklagt gewesenen Jacques G. gegeben, den er als seinen "Chef" bezeichnete. Der 65- jährige G., der das Geld verprasste, erhielt vom Gericht eine vierjährige Haftstrafe auferlegt.

Ein Ende fand der Alptraum für die Familie erst, als sich drei ihrer Mitglieder dem Einfluss der Hirnwäsche entzogen und die Polizei benachrichtigten. Schließlich wurde Tilly im Oktober 2009 in der Schweiz festgenommen und anschließend nach Frankreich ausgeliefert.

AG/red
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