Eklat in Davos
Erdogan und Peres um Deeskalation bemüht
Erdogan hatte Davos am Donnerstagabend im Streit um den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen und im Ärger über die Moderation der Gesprächsrunde wütend verlassen. Bei seiner Ankunft in Istanbul wurde er für seinen Auftritt gefeiert. Tausende Demonstranten versammelten sich am frühen Freitagmorgen am Flughafen. Viele schwenkten türkische und palästinensische Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie "Willkommen zurück, Eroberer von Davos" oder "Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten". Anti-israelische Slogans wurden gerufen. Kritiker warfen Erdogan hingegen vor, er habe der Türkei mit seinem unbeherrschten Verhalten in Davos geschadet.
"Beim Töten kennen Sie sich sehr gut aus"
In der erregten Debatte, an der auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Chef der Arabischen Liga, Amr Moussa, teilnahmen, hatte Peres Erdogan mit lauter Stimme gefragt, wie er auf ständige nächtliche Raketenangriffe auf Istanbul reagieren würde. Zuvor hatte Erdogan das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen als unverhältnismäßig kritisiert. "Beim Töten kennen Sie sich sehr gut aus", antwortete der sichtlich verärgerte Erdogan. Kurz darauf stürmte er vom Podium und kündigte an, nie wieder zum Weltwirtschaftsforum nach Davos zu kommen.
Das Volk hätte von jedem türkischen Ministerpräsidenten dieselbe Reaktion erwartet, sagte Erdogan am Freitag. "Ich kann es nicht zulassen, dass jemand das Ansehen und vor allem die Würde meines Landes beschmutzt." Im Übrigen richte sich seine Kritik nicht gegen das israelische Volk oder die Juden. "Unser Vorwurf richtet sich voll gegen die israelische Regierung", versicherte Erdogan. "Wir sind gegen Antisemitismus", betonte der Regierungschef zudem. "Wir üben keine Pauschalkritik."
Präsident Abdullah Gül nahm den Premier in Schutz. "Niemand sollte erwarten, dass der Ministerpräsident der Türkei respektloses Verhalten hinnimmt. Er gab die notwendige Antwort." Skeptisch zeigten sich dagegen frühere türkische Diplomaten. Sie befürchten, der Eklat könnte die Beziehungen zu Israel belasten und die Stellung der Türkei als Vermittlerin im Nahost-Konflikt schwächen.
Die Hamas begrüßte Erdogans Verhalten. Seine Organisation halte "die mutige Haltung von Ministerpräsident Erdogan bei der Verteidigung der Opfer des kriminellen zionistischen Krieges gegen die Kinder, Frauen und Menschen von Gaza hoch in Ehren", sagte Hamas-Sprecher Fawzi Barhoum am Freitag in Gaza.
Israel will keinen Streit mit der Türkei
Der israelische Präsident äußerte indes die Hoffnung, dass der Eklat nicht die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten werde. Er habe zwischenzeitlich mit Erdogan telefoniert. "Wir wollen keinen Streit mit der Türkei. Wir haben einen Konflikt mit den Palästinensern", sagte Peres in Davos.
Peres hatte den Militäreinsatz im Gazastreifen mit mehr als 1.300 Toten auf palästinensischer Seite als unumgänglich bezeichnet. Israel habe sich komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen, die Siedlungen aufgelöst, Wasser, Nahrungsmittel und Geld geliefert. "Dafür haben wir Raketen aus dem Iran bekommen", sagte der Präsident in Bezug auf den Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebiets durch die in Gaza herrschende Hamas. "Warum kämpfen die gegen uns?", fragte er.
Erdogan zeigte sich enttäuscht, dass die Vermittlungsversuche seiner Regierung zwischen Israel und Syrien auch bezüglich der Hamas gescheitert seien. Es hätte nur noch wenig gefehlt und man hätte eine Einigung erzielt, sagte Erdogan. Doch anstatt auf die Vermittlungen zu antworten, sei Israel am 26. Dezember in den Gazastreifen einmarschiert. "Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt", sagte Erdogan. Der militärischen Macht Israels hätten die Palästinenser nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen gehabt.
Olmert log Erdogan ins Gesicht
Nach Informationen der ARD kommt Erdogans Ausbruch in Davos nicht von ungefähr. Der türkische Premier sei von Israel enttäuscht, berichtete der deutsche Sender. Einen Tag vor Beginn des Gaza-Kriegs habe der israelische Premier Ehud Olmert bei einem Besuch in Istanbul Erdogans Frage verneint, ob sein Land einen Militärschlag gegen das Palästinensergebiet plane. Erdogan habe das Verhalten Olmerts als persönlichen Affront gewertet.







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