Weitere Sanktionen

EU verhängt Öl-Embargo gegen den Iran

Ausland
23.01.2012 14:35
Im Streit über das Atomprogramm des Iran will die EU die Regierung in Teheran mit einem Öl-Embargo zurück an den Verhandlungstisch zwingen. Die EU-Außenminister beschlossen am Montag, alle Öleinfuhren des Landes in die Europäische Union ab 1. Juli zu verbieten. Aus Teheran kam postwendend erneut die Drohung, die für die internationalen Öltransporte strategisch wichtige Seestraße von Hormus zu blockieren.

Das Verbot für neue Verträge wird umgehend mit Veröffentlichung im EU-Amtsblatt wirksam. Ein EU-Verbot gilt auch für Exportgarantien, Joint-Ventures und Kreditvergaben im Erdöl- und Petrochemie-Bereich.

Griechenland, das besonders günstige Öl-Lieferverträge mit dem Iran hat, setzte eine Überprüfungsklausel des Sanktionenregimes zum 1. Mai dieses Jahres durch. Das bedeutet, dass die EU-Außenminister im April erneut über die Sanktionen entscheiden müssen. 

Die EU-Außenminister beschlossen laut Diplomaten auch teilweise Sanktionen gegen die iranische Zentralbank und gegen die iranische Kommerzbank Tejarat. Das Vermögen dieser Banken wird eingefroren, kann aber von den Notenbanken der EU-Staaten für legitimierte Geschäfte - das heißt zwischen Unternehmen, die nicht sanktioniert sind - freigegeben werden.

"Noch nie da gewesene Sanktionen"
Der britische Außenminister William Hague sprach von "noch nie da gewesenen Sanktionen" gegen den Iran. Das bisher härteste Sanktionspaket der EU gegen Teheran sei eine Reaktion auf die "anhaltenden Verstöße des Iran gegen die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats und seine Weigerung, sinnvolle Verhandlungen über das Atomprogramm aufzunehmen". Für die Anreicherung von Uran gebe es keine plausible zivile Erklärung.

"Ich will, dass der Druck dieser Sanktionen zu Verhandlungen führt", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Sie führt die Gespräche der fünf Vetomächte im UNO-Sicherheitsrat - USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China - sowie Deutschlands mit dem Iran. Die vor mehr als einem Jahr in Istanbul abgebrochenen Verhandlungen müssten wieder aufgenommen werden, forderte Ashton. "Wir können nicht akzeptieren, dass der Iran nach der Atombombe greift", sagte auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (links im Bild). Die Tür zum Dialog bleibe aber offen.

Auch Außenminister Michael Spindelegger (rechts im Bild) nannte den Beschluss am Montag notwendig. "Wir können ja nicht zusehen, dass der Iran an Atombomben bastelt. Das wird vom Iran zwar dementiert, aber es gibt viele Anzeichen dafür", sagte Spindelegger in Brüssel. Es bedürfe starker und spürbarer Sanktionen bei Öl und im Bankensektor. Der Iran sei aber nach wie vor eingeladen, mit der EU über sein Atomprogramm zu verhandeln.

Bereits früher hatte Spindelegger betont, für Österreich stelle das Ölembargo keine großen Probleme dar, da sich Österreich kaum mit Öl aus dem Iran versorge.

Iranische Politiker fordern Export-Stopp nach Europa
Unterdessen forderten iranische Politiker eine harte Antwort auf die Sanktionen. Ali Fallahian, Mitglied des einflussreichen Expertenrates, forderte einen sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa. Da die Europäer dann nicht genug Zeit hätten, auf andere Quellen zu wechseln, würde dies einen Preisschock auslösen, sagte der ehemalige Geheimdienstminister am Montag der iranischen Nachrichtenagentur Fars.

Erneut Streit um Nutzung der Straße von Hormus
Der Vize-Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Außenpolitik und nationale Sicherheit, Mohammed Kossari, wiederholte neuerlich die Drohung, der Iran würde bei einer Behinderung der Ölexporte die Straße von Hormus blockieren. Großbritanniens Außenminister Hague hingegen sagte, jeder solche Versuch wäre "illegal und nicht erfolgreich".

Der US-Flugzeugträger "Abraham Lincoln" lief am Montag trotz dieser Drohungen unbehindert in den Persischen Golf ein. Zusammen mit britischen und französischen Kriegsschiffen passierte die Trägergruppe die Meerenge von Hormus, wie das britische Verteidigungsministerium am Montag mitteilte. Mit der Aktion habe man "das bestehende internationale Bekenntnis, Durchfahrtrechte unter internationalem Recht zu sichern" betonen wollen.

Druck auf den Iran erhöht sich seit Jahren
Seit 2007 hat die EU den Druck auf den Iran mit umfangreichen Sanktionen erhöht, ohne dass es im Streit mit der Regierung in Teheran Fortschritt gegeben hätte. Gegen Hunderte führende Persönlichkeiten und Firmen bestehen bereits Reiseverbote und Kontensperrungen. Die neue Sanktionsrunde ist eine Reaktion auf den Bericht der Internationalen Atomenergie-Agentur vom November. Die IAEO fand Hinweise, dass die Islamische Republik den Bau von Kernwaffen betreibt.

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