"Verschwörung"
Die Not mit der Notdurft: Venezuela geht Klopapier aus
Neben Nahrungsmitteln werden in Venezuela nun auch Bedarfsgüter knapp: Nach Milch, Butter, Zucker, Kaffee, Maismehl, bestimmten Fleischsorten und Seife geht dem lateinamerikanischen Land jetzt auch das Toilettenpapier aus. In vielen Supermärkten seien laut übereinstimmenden Medienberichten die Regale mit dem Klopapier leer. Der britische "Guardian" zitierte in einem Bericht Venezolaner, die seit rund zwei Wochen vergeblich auf der Suche nach dem WC-Artikel seien.
"So etwas habe ich noch nie erlebt"
Die Nachrichtenagentur Associated Press machte sich in einem Supermarkt in der Hauptstadt Caracas selbst ein Bild von der Lage (Bilder) und berichtete von teils wütenden Konsumenten. "Ich bin 71 Jahre alt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", macht Manuel Fagundes, der das Geschäft ohne den begehrten Hygiene-Artikel wieder verlassen musste, seinem Ärger Luft. Ein Video der spanischen Tageszeitung "El Mundo" zeigt die leeren Regale. Frische Lieferungen sprechen sich den Berichten zufolge in Windeseile herum und sorgen für Anstürme auf die Supermärkte, in denen sich wegen Engpässen bei den Nahrungsmitteln ohnehin lange Schlangen bilden.
Ökonom: "Problem mit Engpässen wird noch schlimmer"
Volkswirte führen den Mangel darauf zurück, dass die Regierung die Preise für die Bedarfsgüter streng kontrolliert - um diese für die Armen erschwinglich zu halten. Hinzu kommt die strenge Devisenkontrolle. Steve Hanke, Professor für Ökonomie an der Johns Hopkins University in Baltimore, erklärte gegenüber dem "Guardian", der künstlich niedrig gehaltene Dollar-Wechselkurs hindere derzeit viele Firmen daran, ihre Produktionsmittel im Ausland einzukaufen. "Staatlich kontrollierte Preise - Preise, die unter dem marktüblichen Verkaufspreis angesetzt werden - haben immer Engpässe als Ergebnis. Das Problem mit den Engpässen wird nur noch schlimmer, so wie es im Laufe der Jahre in der Sowjetunion war", so der Ökonom.
Regierung macht Medienkampagne verantwortlich
Doch wie in Venezuela üblich, strickt die Politik aus der Sache eine handfeste politische Kontroverse. So verwundert es nicht, dass die Regierung des neuen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro eine regelrechte "Klopapier-Verschwörung" hinter den Engpässen ortet. Wirtschaftsminister Alejandro Fleming macht regierungskritische Medien dafür verantwortlich, mit einer Kampagne zur Destabilisierung für eine "exzessive Nachfrage" gesorgt zu haben. Angestachelt von dieser Medienkampagne und der dahinterstehenden Opposition, so Fleming, würden die Venezolaner statt 125 Millionen Rollen derzeit 40 Millionen Rollen mehr pro Monat verbrauchen.
"Revolution" will 50 Millionen Rollen importieren
Im Kampf gegen diese "Verschwörung" kündigte die Regierung an, nun 50 Millionen Rollen Toilettenpapier zu importieren. Die "Revolution" werde die Rollen im Ausland erwerben, "damit sich unser Volk beruhigt und sich nicht von der Medienkampagne wegen vorgeblicher Versorgungsmängel manipulieren lässt", so der Writschaftsminister.
Den internationalen Medien liefert der Toilettenpapier-Konflikt indessen eine wahre "Schlagzeilen-Steilvorlage", wie die "Süddeutsche Zeitung" auf ihrem Online-Portal anmerkte. Das Blatt bringt die Misere auch gleich selbst mit dem Titel "Notstand bei der Notdurft" auf den Punkt. "Klopapier für die Revolution" heißt es bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Maduro und die Opposition streiten sich um Klopapier" berichtet CNN-Mexico und der "Guardian" titelt: "Venezuela will den Klopapier-Mangel mit 50 Millionen importierter Rollen wegwischen."







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