Bereits drei Tote
Deutschland: EHEC-Epidemie weitet sich aus
Mittlerweile gibt es auch in immer mehr südlich gelegenen Bundesländern bestätigte Erkrankungen und Verdachtsfälle. Nach einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" vom Mittwoch sind auch in Leipzig EHEC-Verdachtsfälle registriert worden. Diese sollen aber nicht unbedingt in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch stehen.
Das zuständige Robert Koch-Institut (RKI) geht von weiteren Erkrankungen in Deutschland aus. "Wir müssen auch klar sagen, dass wir mit Todesfällen rechnen müssen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger am Dienstag in Berlin. Die Infektionsquelle sei weiter unklar. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass es bisher mehr als 460 bestätigte EHEC-Erkrankungen und Verdachtsfälle gibt.
Am Mittwoch will sich auch der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags mit dem Thema befassen. Die Vorsitzende Carola Reimann sagte am Mittwochmorgen: "Es gibt keinen Anlass zur Hysterie, aber dass wir es jetzt mit den ersten Todesfällen zu tun haben, erfüllt einen natürlich mit Sorge."
"Entwicklung übersteigt jedes historische Maß"
Besonders viele EHEC-Patienten registrierten die Behörden in Schleswig-Holstein. Dort sollen etwa 100 Menschen mit dem Erreger infiziert sein, noch einmal so viele Proben werden noch geprüft. "Diese Entwicklung übersteigt jedes historische Maß", sagte der Mikrobiologe Werner Solbach vom Uniklinikum Schleswig-Holstein. Auch Hamburg meldete bislang rund 100 nachgewiesene Fälle. Hunderte weitere - teils noch unbestätigte - EHEC-Patienten gibt es zudem in Niedersachsen, Bremen, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und zuletzt Sachsen.
Das RKI spricht zudem von mehr als 80 besonders schweren, sogenannten HUS-Fällen. Das hämolytisch-urämischen Syndrom ist charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an Blutplättchen. Laut RKI hat es so viele Fälle in so kurzer Zeit noch nie gegeben.
Das aggressive enterohämorrhagische Escherichia-Coli-Bakterium (EHEC) treibt seit Mitte Mai in Deutschland sein Unwesen. Die Erkrankung geht mit Durchfall, Erbrechen und Übelkeit einher. Der Erreger kann zu bleibenden Nierenschäden und zum Tod führen.
Die massive und plötzliche Verbreitung des Keims macht die Experten ratlos. Sie vermuten, dass ungewaschenes, mit Gülle gedüngtes Gemüse der Grund für die Ansteckung sein könnte. Die deutsche Verbraucherministerin Ilse Aigner beschwichtigte indes Ängste der Verbraucher. "Auf Gemüse muss niemand verzichten", sagte sie am Dienstag. Vor dem Verzehr sollten aber Hygiene-Empfehlungen wie Waschen oder Schälen beachtet werden.
Angesichts der schnellen Ausbreitung des gefährlichen EHEC-Keims fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Krisenstab. Die Öffentlichkeit müsse flächendeckend informiert werden, wie man sich am besten schützt, sagte er am Mittwoch.
Bauern weisen Vorwürfe zurück: "Total abwegig"
Die heimischen Bauern fühlen sich hingegen zu Unrecht beschuldigt. "Da wird gemutmaßt, dass EHEC-Erreger über Gülle auf das Gemüse gespritzt worden sei. Dabei ist es total abwegig, Gemüse mit Gülle zu düngen", sagte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Gülle wird nur auf Getreide-, Mais-oder Rapsäckern versprüht, aber noch bevor ausgesät wird."
Licht ins Dunkel könnte jedoch eine ungewöhnliche Häufung von Fällen in Frankfurt bringen. 19 EHEC-Betroffene hatten dort in den Kantinen einer Unternehmensberatung gegessen. Schuld sei wahrscheinlich eine belastete Lebensmittellieferung.







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