Bitte um Entbindung
Dalai Lama setzt ersten Schritt für geplanten Rücktritt
Die Worte des Friedensnobelpreisträgers wurden zur Eröffnung der Parlamentssitzung im nordindischen Dharamsala verlesen und anschließend im Internet veröffentlicht. Der 75-jährige Dalai Lama fungiert für die tibetische Exil-Regierung als "Staatsoberhaupt".
Exil-Regierung soll "selbstständig werden"
"Es ist extrem wichtig, dass wir die Kontinuität unserer tibetischen Exil-Regierung und unseres Kampfes sicherstellen, bis das Thema Tibet erfolgreich gelöst ist", hieß es weiter. "Wenn wir noch mehrere Jahrzehnte im Exil bleiben müssen, wird unausweichlich eine Zeit kommen, zu der ich nicht mehr in der Lage sein werde zu führen. Deswegen ist es notwendig, dass wir ein solides Regierungssystem schaffen, solange ich dazu in der Lage bin und gesund bleibe." Um einen Rückzug des Dalai Lama aus der Politik zu ermöglichen, müssten die Abgeordneten die tibetische Exil-Verfassung ändern.
Aus dem Parlament hieß es, es sei unklar, ob die Abgeordneten der Bitte des 75-Jährigen entsprechen würden. Die "überwältigende Mehrheit" der Tibeter wolle, dass er an der Spitze der Bewegung bleibe. Der Dalai Lama hatte am Donnerstag angekündigt, als politisches Oberhaupt der Tibeter zurückzutreten. Als religiöser Führer wolle er aber aktiv bleiben, hatte er am 52. Jahrestag des Aufstandes der Tibeter 1959 gegen die chinesische Besatzung gesagt. Er wolle sich auch weiter "für die gerechte Sache Tibets" einsetzen.
"Es ist eine epochale Änderung"
Parlamentssprecher Penpa Tsering sagte am Montag, das Parlament werde das weitere Vorgehen am Dienstag debattieren, bis zu einer Entscheidung könne es aber dauern. "Es ist eine historische, epochale Änderung, die Seine Heiligkeit vorgeschlagen hat, daher wird die Angelegenheit reiflich überdacht werden. Wir werden möglicherweise eine Sondersitzung oder ein Referendum zu dem Thema organisieren." Nach tibetischen Angaben würden die zentralen politischen Aufgaben des Dalai Lama bei seinem Rückzug dem Exil-Premierminister zufallen. Darunter zählen etwa Verhandlungen mit der Besatzungsmacht China und die Auflösung des Parlaments.
Seit 1950 eine Art Staatsoberhaupt
Der Dalai Lama war erst 15 Jahre alt, als er im Jahr 1950 beim Einmarsch chinesischer Truppen in Tibet zu einer Art Staatsoberhaupt der Tibeter ernannt wurde. Im Jahr 1959 floh er nach einem niedergeschlagenen Aufstand nach Dharamsala. Seitdem setzt sich der der 75-Jährige für eine friedliche Lösung des Tibet-Konflikts und mehr Autonomie für die Region ein. Im Jahr 1989 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die chinesische Führung sieht in ihm aber trotzdem einen Separatisten, der unter religiösem Deckmantel agiert.







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