Premier unter Druck

Dacic und der Koks-König: Mafia-Affäre in Serbien

Ausland
04.02.2013 12:00
Eine Mafia-Affäre schlägt derzeit in Serbien hohe Wellen. Premier Ivica Dacic hatte vor vier Jahren Kontakte zu einem Kokain-Kapo der serbischen Unterwelt. Der damalige Innenminister soll über die Schmuggel-Aktivitäten seines Gegenübers genau Bescheid gewusst haben, berichtete die Belgrader Tageszeitung "Blic" am Montag. Dacic hatte offenbar sogar einen eigenen Spitznamen unter den serbischen Mafiosi: Der Chef der sozialistischen Partei wurde laut Telefonmitschnitten "Genosse" genannt.

Wie "Blic" berichtete, gibt es Ton- und Bildaufzeichnungen von den Gesprächen Dacics mit dem Drogenhändler Rodoljub Radulovic. Der Schiffsbesitzer war im vergangenen Jahr wegen des Schmuggels von knapp zwei Tonnen Kokain aus Südamerika angeklagt worden. Vor etwa vier Jahren hatte sich der Mafioso wiederholt mit Dacic, der damals Innenminister war, getroffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei Radulovic beobachtet. Die Behörden hofften, über ihn an den Top-Mafioso Darko Saric zu gelangen, nach dem bereits seit Jahren gefahndet wird.

Abhörsichere Blackberrys als Dank vom "Kokain-König"
Saric, auch bekannt als "Kokain-König", wollte offenbar Insider-Informationen zu den Observierungen. Er soll Radulovic Anfang 2009 beauftragt haben, bei Dacic zu prüfen, ob sich die Polizei für seine Aktivitäten interessiere. Als Dank für die Auskünfte soll Saric Dacic und seinem damaligen Kabinettschef Branko Lazarevic zwei abhörsichere Blackberrys geschenkt haben.

Premier sieht "keinen seriösen Grund" für Neuwahlen
Der unter Beschuss geratene Dacic bestätigte am Samstag seine Kontakte mit Radulovic. Die Verantwortung trage allerdings die Polizei, sagte Dacic, der neben seiner Tätigkeit als Regierungschef auch Innenminister ist. Die Nachrichtendienste hätten ihm vor seinen Treffen mit dem Mafioso keine Informationen über Radulovics Aktivitäten vermittelt. Zuletzt aufgekommene Rufe nach einem vorgezogenen Wahlgang schmetterte der Premier ab: Es gebe "keinen seriösen Grund" für Neuwahlen, die Regierung sei stabil, sagte Dacic.

Der Koaltionspartner von Dacics Sozialisten, die Serbische Fortschrittliche Partei (SNS), hat am Montag beschlossen, die Koalition vorerst weiterbestehen zu lassen. Vizepremier und Parteichef Aleksandar Vucic, einer der schärfsten innenpolitischen Rivalen Dacics, schloss Neuwahlen zum derzeitigen Zeitpunkt aus. Ein vorzeitiger Wahlgang würde gegenwärtig zwar der SNS in die Karten spielen, dennoch hätten die Interessen des Staates und der Bürger Vorrang.

Über die Mafiakontakte seines Regierungspartners sagte Vucic, der im Kabinett in Belgrad für Korruptionsbekämpfung zuständig ist, dass die staatlichen Institutionen im Einklang mit dem Gesetz alle Kriminalitäts- und Korruptionsfälle untersuchen würden - ungeachtet von Namen und Amt etwaiger Verdächtiger.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
04.02.2013 12:00
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung