Krebserregend

D: Schimmelpilz in Tierfutter – Milchhöfe gesperrt

Ausland
02.03.2013 09:17
Nach dem Pferdefleischskandal und dem vermuteten Riesenschwindel mit Bio-Eiern sorgt bereits der nächste Skandal für Empörung in Deutschland: In Niedersachsen sind Tausende Tonnen giftiger Mais zu Tierfutter verarbeitet und deutschlandweit ausgeliefert worden. Der aus Serbien importierte Mais ist mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belastet. Fressen Kühe das giftige Futter, reichert sich der Stoff in der Milch an. Eine Gefahr für Verbraucher soll aber laut derzeitigem Kenntnisstand nicht bestehen.

Da die Milch von verschiedenen Höfen zusammengemischt werde, bevor sie bei den Molkereien landet, seien Konsumenten nicht gesundheitsgefährdet, erklärte Heidemarie Helmsmüller, Leiterin der Verbraucherschutzabteilung im Bundesverbraucherministerium.

Seit Freitag wird nun die Milch in allen mit belastetem Futter belieferten Betrieben kontrolliert. Sollte der erlaubte Höchstwert überschritten werden, bleibt die Sperre, die bereits jetzt für die betroffenen Betriebe gilt, bestehen, und die Produzenten müssen auf ein anderes Futter umstellen. Nach einer Woche geben die Tiere nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keine bedenklich hoch belastete Milch mehr.

Bisher wurde nach Angaben des Bauernverbandes Landvolk lediglich eine Probe mit zu hohen Schadstoffwerten gefunden. Die Ware sei jedoch nicht in Verkehr gebracht worden. Alle anderen Kontrollen auf Aflatoxin in der Milch seien dagegen ohne Beanstandung gewesen.

Deutscher Staatssekretär: "Gift besonders in Milch gefährlich"
"Aflatoxine sind besonders gefährlich in der Milch. Sie setzen sich nicht in Fleisch ab, nicht in Eiern", sagte Landwirtschafts-Staatssekretär Udo Paschedag am Freitag. Das Gift der Schimmelpilze kann bei Tieren Leberkrebs auslösen. Für den Menschen konnte so ein Zusammenhang bisher nicht nachgewiesen werden, er wird aber vermutet.

Unklar blieb zunächst der genaue zeitliche Ablauf, wie das Futtermittel in die Betriebe kam. Flächendeckenden Handlungsbedarf habe es erst vor wenigen Tagen gegeben, versicherte die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums, Natascha Manski, am Freitag in Hannover. 

Demnach habe die nötige Recherche nach dem Alarm eines Milchbauern vom 5. Februar nach einer Routinekontrolle noch gut 14 Tage gedauert, bis eine Schiffsladung aus Brake an der Unterweser (Niedersachsen) mit 45.000 Tonnen Mais aus Serbien - davon dürften dem Vernehmen nach bis zu 10.000 Tonnen in Umlauf gekommen sein - als Gefahrenquelle festgestanden habe. Danach dauerte es noch bis Ende Februar, bis die betroffenen Höfe lokalisiert werden konnten.

Verbraucherschützer werfen Regierung Untätigkeit vor
Angesichts der langen Vorlaufzeit warf die Verbraucherorganisation Foodwatch der deutschen Regierung Untätigkeit vor. Pressesprecher Martin Rücker fragte verärgert: "Warum ist nicht viel früher etwas geschehen?" "Wir erwarten, dass die Behörden jetzt erstmal alles auf den Tisch legen, was sie wissen", fügte er hinzu.

Schimmelpilzgift in serbischer Milch
In Serbien wurden bereits in Milchprodukten mehrerer Marken erhöhte Aflatoxin-Werte festgestellt. Das Gift stamme von mit Schimmelpilzen verseuchtem Futtermittel, erklärte der serbische Agrarexperte Vladimir Pekic am Freitag.

Die Regierung, der das Problem mit dem verseuchten Futtermittel seit vergangenem Sommer bekannt ist, ließ zunächst die betroffenen Milchmarken aus den Supermarktregalen nehmen. Am Donnerstag erhöhte sie dann die erlaubte Aflatoxin-Menge pro Liter Milch um das Zehnfache - von 0,05 auf 0,5 Mikrogramm. 

"Diese Menge kann sich auf die Gesundheit von Menschen nicht negativ auswirken", versicherte Agrarminister Goran Knezevic. In vielen anderen Ländern gelte der gleiche Grenzwert. Experten warnten jedoch, dass es im Unterschied zu Serbien in den meisten dieser Länder keine Bedrohung durch den Getreidepilz gebe.

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