"Pflichten erfüllt"

“Costa Concordia”-Kapitän dreht Spieß um und klagt

Ausland
10.10.2012 10:57
"Costa Concordia"-Kapitän Francesco Schettino geht nun selbst vor Gericht: Der 52-Jährige klagt die Reederei des am 13. Jänner havarierten Luxusliners, die ihn nach einem Disziplinarverfahren entlassen hatte, auf Wiedereinstellung. Er behauptet, er habe bei dem Unglück "alle Pflichten erfüllt", und verlangt daher von Costa Crociere sowohl die Wiedereinstellung als auch die Zahlung der Gehälter, die er seit dem Unglück nicht erhalten habe. Gegen Schettino wird ermittelt, ihm drohen wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung 15 Jahre Haft pro Todesopfer.

Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes waren 30 Menschen ums Leben gekommen, zwei gelten immer noch als vermisst. Die "Costa Concordia" war zu nahe an die toskanische Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4.200 Personen an Bord, darunter 77 Österreicher, gekentert. Der Koloss wird gegenwärtig darauf vorbereitet, nach einer Bergung mit gigantischen Dimensionen bis 2013 abgeschleppt zu werden (siehe Infobox).

Schwere Vorwürfe gegen 52-Jährigen
Dem Kapitän, der im Juli aus dem Hausarrest entlassen wurde, drohen 15 Jahre Haft pro Todesopfer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vor. Auch die Kreuzfahrtgesellschaft ist der Ansicht, dass Schettino nicht nur das Unglück durch ein riskantes Manöver verschuldet, sondern auch anschließend die Evakuierung verzögert und das Schiff verlassen habe, obwohl noch Hunderte Menschen an Bord waren.

Schettino wird am kommenden Montag an einem geplanten Beweissicherungstermin in der toskanischen Stadt Grosseto teilnehmen. Dabei wolle der Hauptangeklagter von insgesamt zehn Beschuldigten auch auf die Fragen der Untersuchungsrichterin Valeria Montesarchio antworten, berichteten italienische Medien. An den ersten beiden Terminen, bei denen es um die Aufnahme von Beweisen im Vorfeld der Hauptverhandlung ging, hatte Schettino nicht teilgenommen.

Angeklagter Reederei-Vize ist Österreicher
Ermittlungen laufen auch gegen den österreichischen Vizepräsidenten von Costa Crociere sowie gegen den Chef des Krisenstabs, Roberto Ferrarini, und gegen Flotten-Inspekteur Paolo Parodi. Ihnen werden Mängel bei der Koordinierung der Rettungsaktion an Bord des Schiffes vorgeworfen. Der Vizepräsident, ein gebürtiger Ennser, soll Schettino "keine angemessenen Lösungen" bei der Bewältigung des Notstands vorgeschlagen haben, hieß es aus Justizkreisen. Außerdem habe er die Hafenbehörde in der toskanischen Stadt Livorno nicht klar über die Zustände an Bord informiert.

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