Nach heftiger Kritik

Clint Eastwood verteidigt bizarre “Stuhl-Rede”

Ausland
08.09.2012 08:42
Clint Eastwood (82) hat in einem Interview mit einem kalifornischen Lokalblatt seine bizarre Rede beim Parteitag der Republikaner verteidigt. Bei seinem Auftritt am 30. August hatte der Filmemacher zu einem leeren Sessel gesprochen und so getan, als würde Barack Obama darauf sitzen. Dabei hatte er den unsichtbaren Präsidenten unter anderem als "absolut verrückt" bezeichnet. Kritik kam von den Medien, Spott und Häme von den Demokraten.

Die Idee zu dem Sketch mit einem leeren Stuhl sei ihm erst kurz vor seinem Auftritt gekommen, sagte Oscar-Preisträger Eastwood in dem am Freitag veröffentlichten Interview der Zeitung "The Pine Cone" in Carmel, wo der Hollywood-Schauspieler einst Bürgermeister war. 

Die umstrittene Rede des bekennenden Republikaners hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und einen Sturm in der Twitter-Szene ausgelöst. "Was zur Hölle ist das?", twitterte Obamas Topberater David Axelrod. Pressesprecher Ben LaBolt bezeichnete Clintwoods Einlage als surreal. Später wurde über Obamas Twitterkonto mitgeteilt: "Dieser Stuhl ist besetzt." Dazu gab es ein Foto, das Obama auf einem Stuhl im Weißen Haus zeigt.

Er habe sein Ziel erreicht, drei Dinge zu vermitteln, zog Eastwood nun Bilanz: "Dass nicht jeder in Hollywood links steht, dass Obama eine Menge Versprechen gebrochen hat und dass die Leute das Recht haben, jeden Politiker abzusetzen, der keine gute Arbeit leistet." Viele Hollywood-Promis unterstützen Obama, Eastwood ist einer der wenigen Stars, die sich ganz offiziell auf Mitt Romneys Seite gestellt haben, ebenso wie Chuck Norris.

"Obama ist der größte Schwindel"
"Präsident Obama ist der größte Schwindel, dem das amerikanische Volk je aufgesessen ist", sagte Eastwood weiter. "Romney und Ryan würden ihren Job viel besser machen, das Land zu regieren, und das soll jeder wissen. Ich mag viele Linke vor den Kopf gestoßen haben, aber ich habe auf die Leute in der Mitte gezielt."

Eastwood räumte ein, dass sein Auftritt "sehr unorthodox" gewesen sei. Er habe sich nicht an ein festes Skript gehalten, sondern spontan gesprochen. "Da steht dieser verrückte Schauspieler, der 82 Jahre alt ist, dort oben in einem Anzug", resümierte der Filmemacher. "Ich war mal Bürgermeister, und die dachten wohl, ich wüsste, wie man eine Rede hält. Aber selbst als Bürgermeister habe ich nie Reden von mir gegeben. Ich habe Vorträge gehalten."

Obama bleibt trotzdem Fan von Clint Eastwood
Barack Obama reagierte trotz der aggressiven Seitenhiebe Eastwoods diplomatisch: Er sei noch immer ein "großer Fan" des Oscar-Preisträgers. Eastwood sei ein "großartiger Schauspieler und ein noch besserer Regisseur", sagte Obama in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Zeitung "USA Today". Auf die Frage, ob er den Auftritt als beleidigend empfunden habe, sagte Obama: "Wenn du dich leicht angegriffen fühlst, solltest du dir vielleicht einen anderen Job suchen."

Häme erntete Eastwood für seinen Auftritt auf dem Parteitag der US-Demokraten: Der Sänger und Songwriter James Taylor machte sich am Donnerstag in Charlotte über das bizarre Zwiegespräch lustig, das Eastwood vergangene Woche auf dem Republikaner-Parteitag mit einem leeren Stuhl führte (letztes Bild). "Ein leerer Stuhl, der macht etwas nervös, oder?", sagte Taylor, als er mit seiner Gitarre zu einem Hocker auf die Bühne kam. "Ich werde nicht mit ihm reden, ich werde darauf sitzen."

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