Nach Erdbeben

China: Freiwillige behindern die Rettungskräfte

Ausland
22.04.2013 14:12
Ächzend schleppen die Rettungskräfte ihre schweren Rucksäcke Stück für Stück den steilen Hang hinauf. Langsam kämpfen sie sich über die Hügel im Südwesten Chinas. Dicht gedrängt mit ihren orangen Schutzanzügen wirken sie wie eine Schlange, die sich ihren Weg durch das beschwerliche Gelände bahnt. Sie müssen sich beeilen, denn jede Minute zählt - doch freiwillige Helfer erschweren den Profis oftmals ihren Einsatz und verschwenden dadurch kostbare Minuten.

Das Erdbeben am Samstag (siehe Infobox) hat etliche Straßen verschüttet, Wasser und Stromleitungen sind gekappt. In der Gemeinde Lushang direkt am Epizentrum sind viele Häuser zerstört. Einen Überblick gibt es noch nicht. Doch das Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der humanitären Hilfe schätzt, dass alleine im schwer betroffenen Ort Longmen 99 Prozent der Häuser zerstört sind.

Zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten
Aber viel schlimmer ist, dass die Hilfe so spät kommt. Zahlreiche Orte sind vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Die großen Rettungsfahrzeuge kommen nicht durch. Zu Fuß müssen die Einsatzkräfte Werkzeuge, Medikamente und Lebensmittel zu den Dörfern bringen. Die Hilfe ist nicht leicht zu koordinieren, denn die Handynetze sind noch an einigen Stellen kaputt, wie chinesische Medien berichten.

Eine Bewohnerin des Dorfes Wangjia berichtet von Häusern, die durch das Beben zusammengefallen sind. Keine Hilfe von außen habe sie erreicht, sagte sie Reportern der Zeitung "South China Morning Post". "Wir verlangen nicht viel, nur Wasser für unsere Babys."

Freiwillige Helfer ohne Ahnung, wie sie helfen sollen
Berichte wie diese veranlassen viele Menschen zu spontanen Hilfsaktionen. Und manchmal sind es ausgerechnet diese freiwilligen Helfer, die die Rettung dann noch mehr behindern. Schockiert von den Bildern aus dem Fernsehen, sind im ganzen Land Menschen zur Unglücksprovinz Sichuan aufgebrochen - oft ohne jede Ahnung, was und wie sie dort helfen wollen.

Etwa 300 Menschen trafen laut einem Bericht einer lokalen Zeitung am Sonntag in dem besonders betroffenen Ort Longmen ein. Aber sie hatten nicht einmal Essen oder Wasser für sich selbst mit, ganz zu schweigen von Werkzeugen oder anderen Rettungsgeräten. Freiwillige Helfer auf dem Weg in die Unglücksregion produzierten zwischenzeitig zudem einen kilometerlangen Stau auf einer Autobahn in die Region (siehe Bild 5).

Experte: "Die Freiwilligen machen alles noch schlimmer"
Sogar Chinas Staatsrat sah sich zum Handeln gezwungen und gab eine öffentliche Erklärung ab. Darin wurde die Bedeutung der Rettungsarbeiten betont. Weiters heißt es: "Außer den Rettungskräften sollen derzeit keine Freiwilligen, Touristen oder andere Leute in die Katastrophengebiete reisen."

Ein Katastrophenexperte geht noch einen Schritt weiter: "Die Freiwilligen machen alles noch schlimmer", sagte er. Er stehe in engem Kontakt mit den Helfern in der Region. Das Gelände dort sei sehr schwer zugänglich und erfordere eine gute Ausbildung und die passende Ausstattung. "Die professionellen Rettungstrupps sind ausreichend."

Im Radio rief ein Einsatzleiter die Freiwilligen dazu auf, lieber zu Hause zu bleiben. Derzeit sollten Profis die Arbeit vor Ort übernehmen. Aber wenn die erste Zeit überstanden sei, werde jede Hand für den Wiederaufbau benötigt.

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