Mann festgenommen
CIA-Agent in RUS recherchierte zu Boston-Anschlag
Laut der Zeitung "Kommersant" hatte es Fogle auf einen FSB-Experten für Terror im Konfliktgebiet Nordkaukasus abgesehen. Der Anwerbeversuch sei eine Reaktion auf den Terroranschlag auf den Marathon in Boston im April gewesen. Im Nordkaukasus leben die Eltern des getöteten Terrorverdächtigen Tamerlan und seinem inhaftierten Bruder Dzhokhar Tsarnaev.
Mutmaßlicher Spion ist nun "unerwünschte Person"
Fogle wurde zur "unerwünschten Person" erklärt und muss das Land sofort verlassen. Während Russland von einer "Provokation" sprach, verhielten sich die USA demonstrativ zurückhaltend und sprachen von einem "Zwischenfall".
Die Festnahme war in der Nacht auf Dienstag erfolgt. Nach den "erforderlichen Maßnahmen" wurde Fogle laut FSB der US-Botschaft in Moskau übergeben, wo er als dritter Sekretär der politischen Abteilung gearbeitet haben soll. In jüngster Zeit habe der US-Geheimdienst wiederholt versucht, Mitarbeiter der russischen Sicherheitskräfte und Geheimdienste zu rekrutieren, hieß es.
Der englischsprachige Staatsfernsehsender Russia Today veröffentlichte im Internet Fotos der Festnahme und des Beweismaterials (siehe Bilder). Zu sehen sind unter anderem Bündel mit 500-Euro-Scheinen sowie Perücken und Sonnenbrillen. In einem Schreiben werde einem Überläufer eine Million US-Dollar Jahresgehalt geboten. "Danke, dass Sie dies lesen. Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit in naher Zukunft. Ihre Freunde", heißt es in dem fotografierten Brief.
Russisches Außenministerium: "Provokation"
Das Handeln des Mitarbeiters der US-Botschaft sei eine "Provokation", die an den Kalten Krieg erinnere, erklärte das russische Außenministerium. Derartige Aktionen "tragen nicht dazu bei, das gegenseitige Vertrauen zu verstärken". Kommentatoren betonten, der Zwischenfall könne die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Russland und den USA weiter belasten.
Das bilaterale Verhältnis gilt unter anderem wegen Differenzen in Menschenrechtsfragen sowie unterschiedlicher Ansichten zum Syrien-Konflikt als gespannt. Verschlechtert haben sich die Beziehungen zudem, seit Wladimir Putin im vergangenen Jahr für eine dritte Amtszeit als Präsident in den Kreml zurückkehrte.
Die letzte größere und spektakulärste Spionageaffäre hatte im Juni 2010 hohe Wellen geschlagen. Damals wurden zehn russische "Schläfer", darunter die als "Agentin 90-60-90" bekannt gewordene Anna Chapman, in den USA festgenommen und nach Moskau abgeschoben. Die USA tauschten sie gegen vier Russen, von denen drei wegen Spionage für den Westen verurteilt worden waren. Die Übergabe fand am Flughafen Wien-Schwechat statt.
USA reagieren zurückhaltend
Anders als damals wird der nun enttarnte Agent lediglich des Landes verwiesen, da er diplomatischen Schutz genießt. Die USA reagieren demonstrativ zurückhaltend auf den Spionagevorwurf. Außenamtssprecher Patrick Ventrell sprach von einem "Zwischenfall", in den man nicht zu viel hineindeuten dürfe. Demnach sei ein "Angestellter" der US-Botschaft in Moskau "kurz inhaftiert und freigelassen" worden.
Das US-Außenministerium wies zugleich Befürchtungen zurück, dass dadurch die amerikanischen und russischen Bemühungen um eine Syrien-Konferenz torpediert werden könnten.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.