Gegen Spekulanten

Berlin verbietet ab sofort ungedeckte Leerverkäufe

Ausland
18.05.2010 21:40
Deutschland schafft im Kampf gegen hochspekulative Finanzgeschäfte Fakten und verbietet ab sofort bestimmte ungedeckte Leerverkäufe. Ab Mitternacht würden Geschäfte ohne Besitz der Basis-Wertpapiere in Aktien der zehn bedeutendsten deutschen Finanzinstitute untersagt, sagte ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (Bild) am Dienstag.

Das Verbot betreffe zudem ungedeckte Leerverkäufe von Staatsanleihen von Ländern der Euro-Zone. Ungedeckte Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Ausfallrisiken auf Staaten der Euro-Zone fallen ebenfalls unter die neue Vorschrift.

Ein Mitglied der Unionsfraktion sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel werde das Verbot am Mittwoch öffentlich verkünden. Hintergrund sei das Bemühen der Regierung, dem Primat der Politik in der Finanzkrise wieder Geltung zu verschaffen. Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte in Hinblick auf das Verbot bei Aktien, er erwarte keine handelstechnischen Auswirkungen. Im späten europäischen Handel legten in Reaktion auf die Untersagung von ungedeckten Leerverkäufen von Staatsanleihen aus Euro-Ländern die Bundesanleihen deutlich zu.

Wetten auf fallende Kurse
Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren oder Währungen. Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen, sich anschließend billiger wieder damit einzudecken. Bei ungedeckten Leerverkäufen haben sich die Investoren noch nicht einmal die Papiere geliehen, was die Risiken noch erhöht. Diese Geschäfte können Kursausschläge einer Aktie drastisch beschleunigen.

Ende Jänner hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Verbot bestimmter Leerverkäufe auf Aktien nach eineinhalb Jahren auslaufen lassen. Das Verbot war nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers erlassen worden, um die Märkte zu stabilisieren. Im März hatte die Finanzaufsicht allerdings ihre Kontrolle wieder verschärft und eine Meldepflicht für zehn Finanzwerte eingeführt. Dazu zählten Papiere der Allianz, Commerzbank , Deutsche Bank und Münchener Rück, Deutsche Börse , Postbank, Hannover Rück , Aareal Bank, Generali Deutschland und MLP.

Finanzminister Schäuble hatte für dieses Jahr eine Gesetzesinitiative angekündigt, die Privatanleger besser schützen und für mehr Transparenz an den Kapitalmärkten sorgen sollte. Sein Vorhaben beinhaltete ein komplettes Verbot von ungedeckten Leerverkäufen und die Erschwerung des "Anschleichens" von Investoren an Firmen, womit Übernahmen heimlich vorbereitet werden könnten.

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