Rettungsboote voll
Bericht enthüllt dramatische letzte Minuten der “Costa”
Das Dokument, das dem Nachrichtensender CNN vorliegt, ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Prozess um die Kreuzfahrt-Katastrophe vom 13. Jänner des Vorjahres. Die Staatsanwaltschaft arbeitet seit Monaten auf Hochtouren, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bekommen. Nun haben die Ermittler aus der Provinzhauptstadt Grossetto ihren Bericht vorgelegt - und der schildert erschütternde Einzelschicksale.
So wird etwa die Geschichte des jüngsten "Costa"-Opfers, der fünfjährigen Dayana Arlotti, und ihres Vaters William erzählt. Wie viele andere hätten es die beiden nicht geschafft, in ein Rettungsboot zu gelangen. So hätten Vater und Tochter versucht, sich auf die im Wasser liegende Steuerbordseite durchzuschlagen. Dabei seien sie in einen unter Wasser stehenden Bereich des Schiffes gestürzt und ertrunken.
Musiker bezahlte Großherzigkeit mit Leben
Giuseppe Girolamo habe auf der "Costa" als Musiker gearbeitet. Er sei nach dem Unfall bereits in einem Rettungsboot gesessen, habe seinen Platz jedoch einer anderen Person überlassen. Girolamo habe keinen neuen Platz finden können und seine Großherzigkeit mit dem Leben bezahlt.
Das einzige Opfer, das auch mehr als ein Jahr nach der Katastrophe noch nicht gefunden werden konnte, sei laut CNN eine Frau namens Maria D'Introno. Die Nichtschwimmerin habe es ebenfalls nicht geschafft, in einem Rettungsboot unterzukommen, und sei schließlich in Panik ohne Rettungsweste von Bord gesprungen. Als das Schiff kenterte, habe es D'Introno unter Wasser gedrückt, wo sie ums Leben kam.
Besatzung überfordert
Kapitän Schettino war bereits unmittelbar nach dem Unglück von vielen Seiten als Hauptschuldiger ausgemacht worden. Der 60-seitige Bericht der Staatsanwaltschaft ändere laut CNN wenig an dem Eindruck. Im Gegenteil: Ein Verfahren gegen ihn und vier weitere Besatzungsmitglieder werde empfohlen.
Auch das Bild des bisher als Helden gefeierten Manrico Giampedroni habe durch die Ermittlungen einige Kratzer abbekommen: Das Crew-Mitglied war - im Gegensatz etwa zu seinem Kapitän - bis zuletzt an Bord geblieben und dafür gelobt worden. In dem Bericht heiße es dennoch, der Mann habe bei der chaotischen "Costa"-Evakuierung seine Pflichten vernachlässigt.
Bergung zieht sich
Insgesamt waren bei der Katastophe vor der Küste der zu Italien gehörenden Mittelmeerinsel Giglio 32 Menschen ums Leben gekommen. Das Schiff liegt auch knapp 14 Monate nach dem Unglück noch mit etwa 65 Grad Schlagseite vor dem Hafen der kleinen Insel auf Grund. Die aufwendigen Bergungsarbeiten dürften mindestens bis September dauern und laut dem Projektchef rund 400 Millionen Euro kosten.







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