Tresor weggeworfen

Belgier wollen gefundene Beute nicht zurückgeben

Ausland
03.05.2013 14:43
Die Bewohner der Ortschaft Zedelgem im Westen Belgiens stecken derzeit in einem moralischen Dilemma. Nach einem missglückten Diebstahl vor rund zwei Wochen, im Zuge dessen die flüchtenden Kriminellen den Tresor vor das sie verfolgende Polizeiauto warfen, verteilte sich die Beute auf den Straßen. Dutzende Bewohner strömten daraufhin aus ihren Häusern und sicherten sich einen Anteil des unverhofften Geldsegens. Bisher konnte die Polizei lediglich die Hälfte der Millionen-Beute sicherstellen. Die Finder wollen ihren Anteil partout nicht zurückgeben.

Die Bewohner von Zedelgem wurden vor rund zwei Wochen in den Abendstunden auf Polizeisirenen, Reifenquietschen und einen plötzlichen Knall aufmerksam. Als sich die ersten neugierigen Ortsansässigen ins Freie begaben, trauten sie ihren Augen kaum: Geldscheine flogen in der Luft herum und landeten wie Schnee im Winter auf der Straße.

Dutzende der Augenzeugen überkam sofort eine enorme Geldgier, sodass die Anrainer - jung und alt - mit dem emsigen Einsammeln der Beute begannen, die aus einem Tresor stammte. Dieser war kurz zuvor von Einbrechern aus einem Wohnhaus in der Nachbarstadt erbeutet worden. Doch die Polizei hatte sich auf die Fersen der Kriminellen geheftet und zwang sie schlussendlich, ihre Beute als "Waffe" zu verwenden.

Geld mit Besen ins Haus gekehrt
Den Tätern gelang zwar die Flucht, doch der Tresor, den sie mitgehen lassen wollten, lag nun auf der Straße, umringt von Dutzenden Zedelgemern. Es wird sogar erzählt, dass eine ältere Dame mit einem Besen das Geld in ihr Haus gekehrt habe.

Die Polizei sperrte die nähere Umgebung sofort ab und stellte vorerst 450.000 Euro der Millionensumme sicher. Der Appell an die Bewohner, die restliche Summe der Polizei zu übergeben, brachte aber auch nur weitere 50.000 Euro ein.

Geldregen derzeit alles beherrschendes Thema
Der Bürgermeister des Ortes, Patrick Arnou, meinte gegenüber der Zeitung "De Standaard", es gebe derzeit kein anderes Thema als den Geldregen, der den ganzen Ort in ein moralisches Dilemma gebracht habe. Arnou appellierte auch an die Vernunft der Leute: "Das Geld gehört unschuldigen Menschen, die nun eine Million Euro vermissen."

Doch auch der Aufruf, das eingesammelte Geld anonym in einen massiven Postkasten aus Stein vor dem Gemeindeamt einzuwerfen, war von keinem großen Erfolg gekrönt. Unbekannte Täter versuchten wenige Tage nach dem öffentlich kundgemachten Hinweis auf die "Geldschein-Klappe" diese aufzubrechen. Zwar schlug dies fehl, doch nun sickert noch weniger Geld zurück.

Und das Misstrauen der Bürger untereinander wächst. Anrainer beobachten die Polizeibesuche bei Nachbarn genau, um etwaige "Petzer" identifizieren zu können.

Bürgermeister: "Polizei noch freundlich, bald folgt Rechtsweg"
Der Bürgermeister versichert: "Die Polizei versucht derzeit das Geld auf freundliche Art und Weise zurückzubekommen. Aber sobald alle befragt werden konnten, werden Rechtswege folgen."

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