Erfolglose Missionen

Atomprogramm: Irans Regime pfeift auf IAEO

Ausland
22.02.2012 06:28
Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO ist am Mittwoch - wieder einmal - mit leeren Händen von seiner zweitägigen Reise in den Iran zurückgekehrt. "Leider konnten wir bei keinem einzigen unserer Ansätze Übereinstimmung erzielen", erklärte Chefinspekteur Herman Nackaerts. In Teheran wiederum erklärte Ayatollah Ali Khamenei (Bild), das geistliche Oberhaupt des Iran, das Atomprogramm seines Landes lasse sich durch "nichts und niemanden" aufhalten.

"Nichts, keine Hürde kann die Atomarbeit des Iran aufhalten - sie sollte entschieden und ernsthaft vorangetrieben werden, trotz des Wirbels des Westens", sagte Khamenei bei einem Treffen mit Vertretern der iranischen Atomenergie-Behörde am Mittwoch. Zugleich betonte er einmal mehr, dass der Iran nicht an Atomwaffen interessiert sei - ein Atomwaffenprogramm sei "gegen unseren Glauben - wir betrachten Atomwaffen als eine große Sünde". Die Atomfrage sei lediglich ein "Vorwand" für die Sanktionen gegen den Iran. "Das Hauptproblem sind die Unabhängigkeit und der Widerstand des Iran, und dass wir diese Position beibehalten und andere Länder dies sehen", sagte der Ayatollah.

Brennelemente-Komplex im Bau
Inmitten des sich zuspitzenden Streits gab der Iran zudem den Bau eines Komplexes für die Herstellung atomarer Brennelemente bekannt. Außenminister Ali Akbar Salehi erklärte am Mittwoch, die Islamische Republik baue derzeit eine derartige Anlage - trotz der Bemühungen des Westens, die nuklearen Errungenschaften des Iran zu unterminieren. Der Iran sei eines der wenigen Länder, die eine solche Anlage errichten könnten, betonte Salehi.

Der Iran habe die IAEO vor zwei Jahren um die Lieferung von auf 20 Prozent angereicherten Brennelementen gebeten. "Sie haben aber begonnen, für unsere legitimen Ansinnen Bedingen zu stellen - daher ist uns kein anderer Weg geblieben, als selbst Brennstäbe herzustellen", fügte der Minister, der zuvor Chef von Irans Atomenergie-Behörde war, hinzu. Salehi wies zugleich die Behauptung westlicher Beobachter zurück, wonach der Iran gar nicht in der Lage sei, auf 20 Prozent angereicherte Brennstäbe zu produzieren: Teheran lege Wert auf seine politische Reputation und werde nichts behaupten, was jenseits seiner Fähigkeiten liege, so der Außenminister.

Am 15. Februar hatte der Iran verkündet, einen Forschungsreaktor in Teheran mit den ersten im eigenen Land produzierten Brennstäben bestückt zu haben. Die Brennstäbe wurden demnach in der Atomanlage in Isfahan hergestellt und unter Aufsicht der IAEO-Inspektoren in den Teheraner Reaktor überführt. Mit der Bestückung des Reaktors hat Teheran nach eigenen Angaben den nuklearen Kreislauf vollendet.

"Es gibt keine Übereinstimmung"
Wie IAEO-Chefinspekteur Nackaerts am Mittwoch bei der Rückkehr in Wien, wo sich der IAEO-Sitz befindet, erklärte, sei die nunmehrige Mission im Iran bereits die zweite Reise von Vertretern der Atomwächter innerhalb weniger Wochen gewesen, die ohne Ergebnis verlief. Ein weiterer Fahrplan für zukünftige Gespräche liege vorerst nicht vor: "Zu dieser Zeit gibt es keine Übereinstimmung bezüglich weiterer Diskussionen." Dies war eines der zentralen Anliegen der IAEO-Experten gewesen. Zweiter zentraler Punkt war die Forderung, das Militärgelände Parchin besuchen zu können, wo möglicherweise Tests mit atomaren Sprengköpfen simuliert wurden. "Doch wir haben keinen Zugang erhalten", so Nackaerts.

Nun wird das Team dem Direktor der IAEO, Yukiya Amano, Bericht erstatten. Anfang März soll sich dann der Gouverneursrat der Atombehörde bei seiner routinemäßigen Versammlung mit dem Thema beschäftigen. "Dann werden wir sehen, was die nächsten Schritte sind", meinte Nackaerts. Schon in der Nacht hatte Amano in einer Mitteilung geschrieben, er sei enttäuscht über den Verlauf der Gespräche. Ein neuer Bericht des IAEO-Chefs zum Iran wird noch in dieser Woche erwartet.

Sanktionen verhängt
Viele Länder vermuten, der Iran betreibe ein geheimes Atomwaffenprogramm. Die UNO, die USA und die EU haben deshalb Sanktionen gegen das islamische Land verhängt. Teheran hingegen beharrt darauf, sein Nuklearprogramm verfolge ausschließlich friedliche Ziele, weshalb das Regime auch die Forderung nach einem sofortigen Stopp der Urananreicherung strikt ablehnt.

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