Griechenland steht unter hohem internationalen Druck, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Am Mittwoch hat ein Generalstreik aus Protest gegen die massiven Sparmaßnahmen das öffentlich Leben beinah zum Erliegen gebracht. Alle Flüge fielen aus, Züge und Fähren zu den Inseln fuhren nicht, der öffentliche Nahverkehr fand kaum statt. Schulen und die meisten öffentlichen Einrichtungen blieben geschlossen. In Krankenhäusern gab es nur Notdienste.
Inmitten des 24- stündigen Ausstands beriet die griechische Regierungen über weitere Sparmaßnahmen, um den von der EU verordneten Defizitabbau zu erreichen - und fand auch Zeit, seine schärfsten Kritiker in die Schranken zu weisen.
Vize- Ministerpräsident Pangalos sagte im britischen Staatsfernsehen BBC: "Sie (die Nationalsozialisten, Anm.) haben das griechische Gold weggenommen, das bei der griechischen Zentralbank lag, sie haben das griechische Geld weggenommen und es nie zurückgezahlt." Zynisch fügte er hinzu, Deutschland müsse das Geld nicht unbedingt zurückzahlen, aber "sie sollten sich wenigstens bedanken". Er wolle aber, dass dieses Thema in baldiger Zukunft behandelt wird.
Die deutsche Bundesregierung wies die Äußerungen vehement zurück. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Andreas Peschke, verwies auf ein Wiedergutmachungsabkommen aus dem Jahr 1960, nachdem die Bundesrepublik Zahlungen von umgerechnet 59 Millionen Euro geleistet hat. Zudem hätten auch griechische NS- Zwangsarbeiter Geld aus der deutschen Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" erhalten. Er riet der griechischen Regierung dazu, keine Themen zu vermengen, "die überhaupt nichts miteinander zu tun haben".
Auch über die Medien der beiden Länder wird der Streit ausgetragen: Nach einer Reihe kritischer Berichte in deutschen Zeitungen über das tief verschuldete Griechenland und die jahrelang verschleierten Bilanzen schlug am Dienstag aber die Athener Presse zurück. Die Zeitung "Eleftheros Typos" brachte eine Fotomontage der Göttin Viktoria auf der Berliner Siegessäule, die ein Hakenkreuz hält. Im Text dazu hieß es: "Finanznazitum bedroht Europa" und: "Es reicht mit der Verleumdung des Landes durch die Deutschen". Einer der Auslöser des Streits war der Titel des Münchner Magazins "Focus" mit der Statue der Venus von Milo, die einen Stinkefinger zeigt. Der Text dazu lautete: "Betrüger in der Euro- Familie".