"Jagd auf Latinos"

Arizonas neues Einwanderungs-Gesetz spaltet USA

Ausland
26.04.2010 07:31
Es ist die schärfste Kampfansage an illegale Einwanderer, die die Amerikaner je gehört haben: Das neue Immigranten-Gesetz von Arizona sorgt für Zündstoff wie kaum ein anderes Staatenrecht zuvor. "Die Jagdsaison auf Latinos ist eröffnet", warnen Bürgerrechtler. Konservative halten dagegen: Der Schutz vor Kriminalität sei auch ein Menschenrecht.

Aus dem US-Staat mit dem Grenzzaun zu Mexiko zieht sich nun die Debatte um ein altes amerikanisches Kernproblem wieder quer durchs Land. Sie erinnert Präsident Barack Obama an sein eigenes Wahlversprechen: die Reform des Einwanderungs-Gesetzes.

"Ich habe Angst", sagt eine Studentin lateinamerikanischer Abstammung mit Tränen in den Augen. Mit Tausenden anderen hat sie vor dem Staats-Kapitol in Phoenix bis zur letzten Minute gegen das Gesetz protestiert, das sie künftig unter ständigen Rechtfertigungsdruck stellt: Wer fremd aussieht und nicht sofort seine Aufenthaltsgenehmigung vorzeigen kann, dem droht in Arizona künftig der Häfn. Nachbarn werden zu Ordnungshütern, denn sie werden regelrecht angehalten, ihre zugezogenen Mitbürger zu bespitzeln. Sehen sie Kontrollbedarf, können sie die Polizei sogar zwingen, die fremd Aussehenden unter die Lupe zu nehmen.

Für eine "Katastrophe" hält der Ex-Polizeichef der Stadt Sacramento, Arturo Venegas, der der Bürgerrechtsgruppe "Law Enforcement Engagement Initiative" angehört, das Gesetz. "Es darf für einen Polizisten nicht wichtiger werden, einen Migranten ohne Papiere festzunehmen als einen gewalttätigen Kriminellen, nur um selbst einer Klage zu entgehen", so Venegas.

Gewaltwelle aus Mexiko schwappt über die Grenze
Anders sehen es zahlreiche Bewohner des Landes, die unter der seit Jahren steigenden Drogen- und Gewaltkriminalität leiden, die über die mexikanische Grenze schwappt. Höhepunkt war im März der brutale Mord an einem bekannten Rancher gewesen, für den die Polizei illegale Grenzgänger verantwortlich machte. Den Republikanern von Arizona platzte der Kragen: Angesichts wachsender Angst - und auch der bevorstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress im November - sahen sie sich zum Handeln gedrängt. Und zwar genau gegen die Bevölkerungsgruppe, die einer ihrer Senatoren, der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain, noch kürzlich als Wählergruppe umworben hatte: die Latinos, die die größte Gruppe der Einwanderer in den USA stellen - legal wie auch illegal.

Nach einer Schätzung des US-Heimatschutzministeriums leben rund zwölf Millionen Menschen illegal in den USA. Fast 60 Prozent von ihnen kommen aus Mexiko. Ein 1.000 Kilometer langer Grenzzaun, der unter Präsident George W. Bush begonnen wurde, soll sie davon abhalten. Doch trotz des Stacheldrahts und zahlreicher Bürgerwehren, die sich entlang der Grenze postieren, gibt es genügend Schlupflöcher. Experten gehen davon aus, dass bis zu 1,5 Millionen Menschen jährlich ohne Papiere in die USA kommen.

Obama versprach, Illegale "aus dem Schatten" zu bringen
Die Einwanderungsdebatte ist neben dem Thema Abtreibung eines des heikelsten Themen des Landes - und ein heißes Eisen für Präsidenten. Zuletzt war Bush junior 2007 mit seiner angestrebten Lockerung des Ausländerrechts nach monatelangem Tauziehen im Senat gescheitert. Auch Barack Obama hatte bei seinem Amtsantritt versprochen, die Millionen illegalen Einwanderer "aus dem Schatten" zu bringen. Die Regierung werde sich des Themas annehmen. Dass er sein Versprechen gebrochen hat, sich der Reform des Einwanderungs-Gesetzes noch in seinem ersten Amtsjahr zu widmen, hat ihm viel Enttäuschung und Ablehnung seitens der Immigranten und Bürgerrechtler eingebracht. Sie verfolgen nun gebannt, wie Obama auf das Gesetz von Arizona reagiert.

Der Präsident bezeichnete es - für viele reichlich spät - am Freitag als "fehlgeleitet" und kündigte an, es auf seine Rechtmäßigkeit untersuchen zu lassen. Verfechter der Maßnahme lassen sich dadurch nicht beirren. Das neue Gesetz werde von der Mehrheit getragen - als Folge der hohen Kosten, die Arizona durch das US-Problem der illegalen Einwanderer auszubaden habe, sagte der Sprecher der Initiative "Federation for American Immigration Reform" Bob Dane. "Es ist ein Gesetzesmodell für viele andere Staaten", prophezeite er im Radiosender "NPR". Das Gesetz werde dem rechtlichen Lackmustest mit Sicherheit standhalten.

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