Frauengefängnis
Afghanistan: Hölle hinter Gittern für Misshandlungsopfer
Die Nachrichtenagentur AP hat Interviews mit einigen der 202 inhaftierten Frauen durchgeführt und den düsteren Alltag auf Bildern festgehalten (oben weiterklicken). Oft teilen sich sechs Personen eine Zelle. Die Strafen für angebliche "Moralverbrechen", wegen derer die meisten Frauen einsitzen, reichen bis zu sieben Jahren Haft für das Verlassen des Ehemannes.
Statt Scheidung zu Gefängnis verurteilt
Eine der Insassinnen ist Nuria (1. Bild): Sie sei von ihrem Vater zur Ehe gezwungen worden, erzählte sie. "Er hat gedroht, mich umzubringen, wenn ich es nicht tue." Sie habe einen anderen geliebt, doch ihr Mann habe sie nicht gehen lassen. Als sie vor Gericht eine Scheidung verlangte, habe man sie stattdessen wegen der Flucht vor dem Ehemann zu acht Monaten Haft verurteilt.
Auch der Rivale ihres Mannes sei vor Gericht gestellt worden, so Nuria, er sei im berüchtigten Pul-e-Charkhi-Gefängnis inhaftiert, das für Misshandlungen bekannt ist. Nuria brachte im Gefängnis ihren Sohn, eines von 62 Kindern hinter Gittern, zur Welt. Ihr Mann habe ihr die Freiheit angeboten, wenn sie mit seinem Kind zu ihm zurückkehre, doch sie habe sich geweigert, berichtete Nuria.
Haft nach Vergewaltigung
Mariam, eine ihrer Zellengenossinnen, ist seit drei Monaten in Badam Bagh. Sie berichtete, sie sei nach brutalen Misshandlungen durch ihren Mann aus der Provinz Kunduz nach Kabul geflohen, wo sie die einzige ihr bekannte Person - den Cousin ihres Mannes - angerufen habe. Der habe einen Bekannten geschickt, der Mariam in ein Haus entführt und mit vorgehaltener Waffe vergewaltigt habe. Als er anschließend fernsah, habe sie ihn angeschossen und versucht, mit einem Kopfschuss Selbstmord zu begehen. Drei Tage später sei sie im Krankenhaus erwacht und kurze Zeit darauf nach Badam Bagh gebracht worden. Seither sitzt sie - ohne Verurteilung - hinter Gittern.
Nur wenige Frauen in Badam Bagh wurden wegen schwerer Verbrechen verurteilt. Eine von ihnen ist Fauzia (2. Bild), die älteste Frau im Gefängnis. Sie sitzt seit sieben Jahren, weitere zehn kommen auf sie zu. Sie habe ihren Ehemann und ihre Schwiegertochter mit einem Messer ermordet, als sie die beiden beim Sex erwischt habe, berichtete Fauzia gegenüber der AP.
Ehebruch als Inhaftierungsgrund
Meist sind es jedoch Geschichten wie jene von Aida (3. Bild), die zur Inhaftierung der Frauen führten. Aida erzählte, sie habe ihren drogenabhängigen Ehemann verlassen. Im Haus ihrer Eltern sei sie jedoch unerwünscht gewesen, diese hätten eine Rückkehr zu ihrem Mann verlangt. Um das zu verhindern, sei sie mit einem anderen durchgebrannt.
Der jedoch habe sie nicht in Ruhe lassen wollen, obwohl es sich nicht um eine Romanze gehandelt habe. Also sei sie vor Gericht gegangen, um Strafen für den Mann und ihren Ehemann zu fordern. Stattdessen habe man sie zu sechs Jahren Haft, nach ihrem Einspruch sogar zu siebeneinhalb Jahren verurteilt.
UNO kritisiert afghanische Justiz
Die UNO hat bereits im Dezember vergangenen Jahres gewarnt, dass die afghanische Justiz Frauen und Mädchen im Stich lasse (siehe Infobox). Seit dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan 2001 habe sich im Land für Frauen trotz der Vertreibung der Taliban kaum etwas verbessert, so die Kritik. Selbst Präsident Hamid Karzai ließ etwa wissen, dass Frauen nur von Männern begleitet auf die Straße gehen sollten. Auch ein neues Gesetz zum Ende der Gewalt gegen Frauen habe kaum Einfluss, es werde fast nie angewendet, so die UNO. Immer wieder würden Frauen wegen Ehebruchs oder ähnlicher "Moralverbrechen" verurteilt, wenn sie vor gewalttätigen Ehemännern flüchten.







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