Korruption stieg

Afghanistan: CIA brachte Millionen an Schmiergeld

Ausland
29.04.2013 09:25
Die CIA hat über Jahre Millionen Dollar in Koffern, Rucksäcken und Einkaufstüten in das afghanische Präsidialamt gebracht. Mit dem Geld habe sich der US-Geheimdienst Einfluss auf Staatschef Hamid Karzai (Bild) sichern wollen, berichtete die "New York Times" am Montag unter Berufung auf Berater Karzais. Das sogenannte Geistergeld beförderte laut US-Regierungskreisen die Korruption und machte lokale Machthaber noch stärker. "Die wichtigste Ursache für Korruption waren die USA", zitierte das Blatt aus den Kreisen.

Der Zeitung zufolge gibt es keine Beweise dafür, dass Karzai selbst das Geld erhielt. Die Zahlungen seien von seinem Nationalen Sicherheitsrat abgewickelt worden. Die CIA lehnte eine Stellungnahme ab, das US-Außenministerium ließ den Bericht zunächst unkommentiert.

Die USA bereiten gerade den Rückzug vom Hindukusch vor. Nach dem Abzug der Kampfeinheiten sollen die afghanischen Streitkräfte und die Polizei für die Sicherheit verantwortlich sein. Beide erhalten jedes Jahr Milliardenhilfen von internationalen Geldgebern, trotzdem bekommen sie nur schwer neue Leute. Außerdem desertieren viele Mitglieder der Sicherheitskräfte.

Französischer Botschafter spricht Klartext
Indes hat der französische Botschafter in Kabul zum Abschied aus Afghanistan für einen Diplomaten ungewöhnlich deutliche Worte zur Lage des krisengeplagten Landes gefunden. Bernard Bajolet sagte am Sonntag in der afghanischen Hauptstadt mit Blick auf Afghanistans Zukunft als souveräner Staat, dass von einem "unabhängigen" Land vorerst keine Rede sein könne: "Wir sollten deutlich sein: Ein Land, das beim Bezahlen seiner Soldaten und Polizisten fast vollständig von der internationalen Gemeinschaft abhängig ist, ebenso bei den meisten Investitionen und teilweise bei den öffentlichen Ausgaben, kann nicht wirklich unabhängig sein."

Mit Blick auf den für Ende kommenden Jahres beschlossenen Abzug der NATO-geführten internationalen Kampftruppen sagte Bajolet: "Ich kann es immer noch nicht verstehen, wie die internationale Gemeinschaft und die afghanische Regierung es geschafft haben, dahin zu kommen, dass 2014 alles zusammenkommt." Dabei erwähnte Bajolet die für das kommende Jahr geplanten Wahlen von Parlament und Präsident, den wirtschaftlichen Übergang, den militärischen Übergang - "und all das, während die Verhandlungen für einen Friedensprozess noch nicht wirklich gestartet sind".

Taliban kontrollieren weiterhin Teile des Landes
In Afghanistan herrschen auch mehr als elf Jahre nach der US-geführten internationalen Intervention Gewalt und Instabilität. Die von der Macht in Kabul vertriebenen, radikalislamischen Taliban kontrollieren nach wie vor Teile des Landes, am Wochenende erst starteten sie ihre alljährliche Frühjahrsoffensive und töteten mehrere Polizisten (siehe Infobox). Es ist zu erwarten, dass sie nach dem Abzug der internationalen Truppen wieder deutlich erstarken.

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