Er schätze seinen Gesprächspartner Pröll so ein, dass sich dieser betreffend der Regierungsbildung alle Möglichkeiten offen lassen wolle, erklärte Haider. Auch Pröll wisse - so der BZÖ- Chef -, dass es innerhalb der ÖVP- Wählerschaft starke Emotionen gegen eine Große Koalition gebe. "Es ist eine Unlust da, das ist Pröll sicherlich bewusst." Über Tendenzen die kommende Regierung betreffend wollte Haider nicht sprechen: "Ich will mich nicht als Prophet deklarieren." Ziel des BZÖ sei es aber nach wie vor, die Fortsetzung der Großen Koalition zu verhindern.
Auch laut ÖVP sei das Gespräch "sehr konstruktiv" gewesen. Man habe sich über die Lage, die sich nach dem Wahlsonntag ergeben hat, ausgetauscht, sagte ein Sprecher. Auch die neue Situation nach Vorliegen des Endergebnisses sei Thema gewesen. Nach Auszählung der noch ausständigen Briefwahl- und Wahlkartenstimmen war ja am Montag noch ein Mandat von der SPÖ zu den Grünen gewandert, wodurch nun rechnerisch auch Schwarz- Orange- Grün möglich wäre. Laut Prölls Meinung würde die derzeitige Situation noch nicht ausreichen, um diese Option jetzt aktiv anzudenken, erklärte ein ÖVP- Sprecher.
Die Verantwortung liege jetzt bei SPÖ- Chef Werner Faymann, hieß es aus der ÖVP, denn dieser hat am Mittwoch von Bundespräsident Heinz Fischer den Regierungsbildungsauftrag bekommen. Die Volkspartei werde jedenfalls die "Verantwortung für das Land wahrnehmen - ob in einer möglichen Regierung oder in der Opposition". Ersten Gesprächen werde man sich nicht verweigern, Pröll halte es für notwendig, mit allen Parteichefs eine "korrekte Gesprächsbasis" zu finden.
Das Nachwahl- Gesprächskarussel dreht sich indes munter weiter: Am Mittwoch steht ein Treffen zwischen Haider und FPÖ- Chef Heinz- Christian Strache an. Wann und wo Strache und Haider zusammenkommen, wurde am Dienstag vorerst nicht verraten.