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27.05.2017 - 14:30

Bestattungsinstitut lockt Anleger mit Genussscheinen

06.01.2011, 16:06
Es ist makaber, aber auch eine unternehmerische Entscheidung: Ein Stuttgarter Beerdigungsinstitut will mit der Ausgabe von Genussrechten sein Wachstum finanzieren. Mindestens 500.000 Euro will das Bestattungshaus Haller so am Kapitalmarkt einsammeln. Die Rede ist von einem "krisensicheren Geschäftsfeld". Haller stellt eine satte Anlagerendite von bis zu zehn Prozent in Aussicht.

Nach Ansicht eines Börsenexperten könnten künftig weitere Vertreter der Branche folgen. Einen Angriff auf die Würde verstorbener Menschen sehen die Akteure nicht.

Der 39 Jahre alte Bestattungsunternehmer Christian Haller setzt bewusst auf neue Wege der Finanzierung. "Ich wollte irgendetwas Neues machen und nicht den klassischen Weg über die Bank gehen", sagt er. Haller erzielte 2010 nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro. Das Unternehmen betreibe 14 Filialen im Stuttgarter Raum und sei damit das größte Bestattungsunternehmen in Baden- Württemberg. Mit dem frischen Geld sollen in diesem Jahr fünf bis sechs neue Filialen in Stuttgart und Umgebung eröffnet werden.

Anrecht auf Gewinnanteil - aber Risiko des Totalverlusts 

Wer Genussrechte als Anlageform wählt, hat Anrecht auf einen Anteil am Unternehmensgewinn. Die Inhaber haben aber kein Stimmrechte. Im schlimmsten Fall - wenn das Unternehmen pleitegeht - kann der Anleger auch alles verlieren. Haller wirbt mit einer festen Verzinsung von vier Prozent pro Jahr. Zudem gebe es eine variable Komponente, abhängig von der Umsatzentwicklung der neuen Filialen. Die Gesamtrendite könne bis zu zehn Prozent betragen, sagt er. Die potenziellen Anleger müssen sich voll auf die Angaben Hallers verlassen. Denn: Einen Prospekt gibt es nicht.

Haller wirbt um Vertrauen: "Ich setze mich mit den Interessenten zusammen und öffne ihnen meine Bücher." Offizielle Angaben zum Gewinn will er nicht machen. Die Branche geht von einer Zunahme bei der Zahl der Bestattungen aus. Haller rechnet für Stuttgart vor: 2010 habe es dort 5.300 Sterbefälle gegeben. Die Prognose gehe davon aus, dass die Zahl in der baden- württembergischen Landeshauptstadt in fünf Jahren auf 6.400 Sterbefälle jährlich ansteigen werde.

Banker: "Sterben ist nun einmal ein Faktum"

"Man kann es drehen und wenden wie man will, das Sterben ist nun einmal ein Faktum", sagt der Kapitalanalyst Robert Halver von der Baader Bank. Abseits ethischer Erwägungen haben die Pläne des Unternehmens seiner Ansicht nach ihre Berechtigung. "Warum sollte man aus Sicht eines Bestatters bei der Refinanzierung des Geschäfts nicht kosteneffizient arbeiten? Der wirtschaftliche Kaufmannsgedanke gilt für jeden Unternehmer."

Bisher kennt Halver noch keinen Bestatter, der am deutschen Kapitalmarkt aktiv ist. Angesichts der aktuell günstigen Zinsen für die Geldaufnahme könnten es aber mehr werden. In den USA ist etwa der Bestatter und Friedhofsbetreiber Service Corporation International (SCI) seit Jahren börsennotiert. Der langfristige demografische Trend sei günstig, heißt es auf der Internetseite an die Adresse der Investoren. In Deutschland hingegen ist bisher erst ein Bestatter mit Börsenplänen an die Öffentlichkeit gegangen. Das Berliner Unternehmen Ahorn- Grieneisen kündigte 2007 seine Ambitionen für einen Börsengang an, sagte diesen aber wieder ab.

Bundesverband der Bestatter sieht keine Probleme

Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) sieht keinen Widerspruch mit dem Pietätsgedanken der Branche. Renditeaussichten von bis zu zehn Prozent seien aber "stattlich", gibt eine Sprecherin zu bedenken. Die Gefahr für die Branche sei, dass den Kunden steigende Preise - etwa aufgrund höherer Friedhofskosten - nur schwer zu vermitteln seien, wenn andererseits Anbieter hohe Renditen in Aussicht stellten.

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