Üblicherweise stecken die Nordafrikaner, die in Innsbruck wegen Drogenhandels verurteilt werden, ihre Strafen vollkommen ungerührt weg. Diesmal aber war der angeblich erst 20-jährige Angeklagte Mustafa F. offensichtlich schwer geschockt, als Richterin Nadja Obwieser die Strafe des Jugend-Schöffensenates verkündete. Immer wieder vergrub er sein Gesicht in beiden Händen und unterbrach den Dolmetscher bei der Übersetzung der Urteilsbegründung. Für die knapp fünf Jahre im Gefängnis erbat er sich Bedenkzeit.
Zum Verhängnis wurden dem Angeklagten drei junge Innsbrucker Frauen aus seinem unmittelbaren persönlichen Umfeld. Sie hatten angegeben, dass er etwa ein halbes Kilo Haschisch und eine kleine Menge Kokain gewerbsmäßig verkauft hatte. Ein weiteres Kilo Cannabis sei nur deshalb nicht in Umlauf geraten, weil man es derart gut versteckt vergraben hatte, dass es trotz intensiver Grabungen nicht mehr aufgefunden werden konnte.
Zudem wurde Mustafa F. verurteilt, weil er einen Landsmann - vermutlich im Konkurrenzkampf - bei einer Schlägerei am Innsbrucker Bahnhof mit einer Bierflasche schwer verletzt hatte.
Obwohl ein Teil der Zeugen seine Aussagen vor Gericht wie üblich widerrief - "ich habe bei der Polizei gelogen" - und der Schwerverletzte sich seine Wunden jetzt selbst zugefügt haben will, zeigte sich der Schöffensenat wenig beeindruckt. Die Strafe für den einschlägig Vorbestraften fiel nicht zuletzt deshalb so streng aus, weil er unmittelbar nach seiner bedingten Haftentlassung munter weitergedealt hatte.
von Werner Kriess, Tiroler Krone
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