Dass die Post langsam ist, kann man ihr wahrlich nicht vorwerfen. Im Eiltempo wurden in den vergangenen Jahren Postämter geschlossen. Mittlerweile sind es rund hundert Filialen in Tirol. Ein Ende der Zusperr- Welle ist nicht in Sicht.
26 Tiroler Postfilialen stehen aktuell auf der Abschussliste. Morgen kann sich die Zahl bereits wieder erhöht haben. Denn laufend werden bei der Regulierungsbehörde in Wien weitere "unrentable" (wie es heißt) Ämter zur Schließung angemeldet.
"Fast jede Woche kommen neue Orte dazu. Die Geschwindigkeit, mit der die Post vorgeht, raubt einem fast den Atem. Wenn die Post mit ihren Plänen durchkommt, werden in Tirol nur mehr neun Ämter übrig bleiben, eines pro Bezirk", zeichnet Post- Gewerkschafter Heinz Kirchmair ein düsteres Bild.
Die Ängste sind keinesfalls unbegründet. Das neue Postmarktgesetz lässt dem Unternehmen viel Spielraum: 1.650 Geschäftsstellen in ganz Österreich müssen es sein, so lautet die Vorgabe. Ob es allerdings ein richtiges Postamt, oder ein Postpartner ist, bleibt dem Unternehmen überlassen.
"Klein- und Kleinstfilialen werden nicht zu halten sein. Die Wirtschaftlichkeit ist das Kriterium", so Post- Sprecher Martin Riedl. Wie viele Postämter letztendlich übrig bleiben werden, könne er nicht sagen: "Es ist ein fließender Prozess."
Gewerkschafter Kirchmair eilt dieser Tage von Ort zu Ort, um den Bürgermeistern den Rücken zu stärken. In Nußdorf hat die Gemeinde mehr als 2.200 Unterschriften fürs Postamt gesammelt. Man will die Filiale - übrigens keine kleine - unbedingt halten. Dass Nußdorf so unrentabel ist, wie die Post sagt, bezweifelt Kirchmair. Er spricht von "buchhalterischen Tricks", wenn es darum geht, Postämter loszuwerden. Kirchmair fordert die Landesregierung auf, rasch aktiv zu werden. Sonst sei ein weiterer Kahlschlag bei den Postämtern vorprogrammiert.
von Claudia Thurner, Tiroler Krone