2 Verschüttete

Lawinensituation in den Bergen weiterhin kritisch

Österreich
17.02.2012 15:32
Zwar hat sich die Lawinensituation in vielen Bergregionen des Landes leicht entspannt, dennoch besteht noch immer zum Teil erhebliche Lawinengefahr. Am Freitag wurden zwei Menschen von den Schneemassen erfasst und verschüttet, darunter auch der niederländische Königssohn Prinz Johan Friso.

Die Situation werde sich laut Experten nur langsam entspannen. Die Hauptgefahr gehe von Triebschnee-Ansammlungen aus, die sich in den vergangenen Tagen gebildet haben. Diese seien "sehr störanfällig", Lawinen daher leicht auslösbar. Es reiche dazu bereits geringe Zusatzbelastung, also das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers. Unerfahrenen Variantenfahrern oder Skitourengehern wird in allen Skigebieten dringend empfohlen, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen.

In Vorarlberg hielt die Landeswarnzentrale ihre Warnung der Stufe 4 aufrecht. Wegen des schlecht mit der Altschicht verbundenen Neuschnees und der Erwärmung sei die Situation derzeit besonders gefährlich. In Lech am Arlberg wurde Freitagmittag der niederländische Prinz Johan Friso verschüttet. Er war im Bereich Litzen-Zugertobel im freien Skiraum unterwegs, als sich ein Schneebrett löste und ihn erfasste. Der Prinz wurde bei einer sofort eingeleiteten Suchaktion per Verschüttetensuchgerät geortet und rasch geborgen. Der Adelige wurde in die Innsbrucker Universitätsklinik gebracht, sein Zustand ist kritisch (siehe Infobox).

Auch in Salzburg herrscht weiter Lawinengefahr. Im Lungau trat ein 55-jähriger Skitourengeher ein 20 Meter breites und 50 Meter langes Schneebrett am Seeköpfl los. Er wurde von der Lawine mitgerissen, seine beiden Kameraden mussten den Vorfall mitansehen. Der Tourengeher wurde bis zur Brust von den Schneemassen verschüttet. Seine Freunde alarmierten sogleich die Einsatzkräfte und gruben den Mann aus. Der 55-Jährige konnte noch selbst zu Fuß ins Tal absteigen - er erlitt laut Polizei leichte Rippenverletzungen. Die Warnstufe wurde unterdessen auf 3 und somit "erheblich" herabgesetzt. Experten des Lawinenwarndienstes zufolge könnte es zu spontanen Abgängen kleinen bis mittleren Ausmaßes kommen. Gerade bei Lawinenwarnstufe 3 passieren die meisten Lawinenunfälle.

In der Obersteiermark nördlich der Mur-Mürz-Furche herrscht Warnstufe 4. "Es ist äußerste Vorsicht geboten", so Andreas Rieger vom Lawinenwarndienst. Nach den beiden tödlichen Lawinenunfällen vom Donnerstag riefen Experten zur Einhaltung der Sicherheitsstandards auf: Die beiden getöteten Tourengeher waren ohne Lawinenpieps und ohne die nötige Sicherheitsausrüstung unterwegs (siehe Infobox). Durch den Wind seien überall spontane Schneeabgänge möglich, hieß es vom Lawinenwarndienst. "Derzeit ist für Touren große Erfahrung und eine perfekte Spurwahl unerlässlich", so Rieger. Die kritische Situation in der Obersteiermark werde voraussichtlich auch das Wochenende über andauern. 

In Tirol wird laut ZAMG Innsbruck die Lawinensituation mit Warnstufe 3 als "heikel" beschrieben, Gefahrenstellen liegen laut Experten besonders oberhalb von 1.600 Metern.

Auch in Kärnten herrscht auf den Bergen Lawinenwarnstufe 2 bis 3, Experten raten vom Befahren ungesicherter Pisten ab.

In Oberösterreich wurde die Lawinenwarnstufe von 4 auf 3 gesenkt, Experten raten aber nach wie vor zu erhöhter Vorsicht, vor allem bei Skitouren.

In Niederösterreich herrschte am Freitag eine angespannte Lawinensituation im Tourenbereich. In den Ybbstaler und Türnitzer Alpen sowie im Rax-Schneeberg-Gebiet wurde die Gefahr spontaner Schneebretter als groß bezeichnet - hier gilt Warnstufe 4 - in den Gutensteiner Alpen und in den Regionen Semmering und Wechsel Stufe 3.

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