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Vor dem Urnengang fliegen im Bezirk Liezen die Fetzen

10.03.2010, 13:21
Vor dem Urnengang fliegen im Bezirk Liezen die Fetzen (Bild: Stadtgemeinde Liezen)
Foto: Stadtgemeinde Liezen
Liezen, der größte Bezirk der Steiermark, ist politisch ein heißes Pflaster. In vielen Gemeindestuben fliegen vor der Wahl am 21. März die Fetzen - und auch vor einem untergriffigen Wahlkampf schrecken manche nicht zurück. Nur in der Bezirkshauptstadt selbst, hier sitzt Ortschef Rudolf Hakel (im Bild) fest im Sattel, geht alles ruhig seinen Gang.

Anonyme Postwurfsendungen, Anzeigen, Einschalten der Gemeindeaufsicht: Vor der Wahl geht's rund im Bezirk Liezen. Vom Ausseerland bis zum Paltental werden im Kampf um die begehrten Wählerstimmen die Ellbogen ausgefahren.

Am härtesten sind die Bandagen in Bad Mitterndorf, bekannt durch Skiflugschanze und Grimmingtherme. Der vor fünf Jahren entthronte Alfred Trieb (FPÖ) lässt keine Gelegenheit aus, um Bürgermeister Karl Kaniak von der Liste "Grimmingdialog" ans Zeug zu flicken - bis hin zu einer Aufsichtsbeschwerde beim Land. Tiefpunkt des Wahlkampfs war eine gefälschte Postwurfsendung, in der Kaniak angeblich seinen Rücktritt erklärte. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, der Urheber soll bereits bekannt sein.

Angriff auf ÖVP- Vize in Weißenbach

Nicht minder zum politischen Boxring mutiert Weißenbach bei Liezen. Die oppositionelle SPÖ wirft ÖVP- Vizebürgermeisterin Theresia Lackner vor, überhöhte Aufwandsentschädigungen zu beziehen. Auch in dieser Causa ist bereits die Justiz eingeschaltet.

Anzeige in Bad Aussee

Damit aber nicht genug: Auch in Bad Aussee gibt es eine Anzeige - es geht um (nicht genehmigte) Werbeflächen auf Mistkübeln! Das Match heißt hier Bürgerliste "Narrn" gegen SPÖ- Ortschef Otto Marl. Der Wahlkampf birgt noch weiteren Zündstoff: die Chirurgie und das geplante neue Kurbad. Eine Gruppe von (gewichtigen) Privatpersonen rät der Gemeinde nämlich von diesem Projekt ab.

Genug des harten Wahlkampfs? Leider nein. In Rottenmann wurde der neue SPÖ- Stadtchef Ewald Persch erst im zweiten Anlauf zum Bürgermeister gewählt und wird nun von der Opposition (Ex- FPÖ- Mandatar Helmut Schaupensteiner tritt diesmal mit einer eigenen Liste an) hart angefasst. In Gaishorn muss der langjährige Bürgermeister Karl Pusterhofer (ÖVP) um die Absolute zittern: Wegen der Finanzen hat die Opposition bereits die Gemeindeaufsicht auf den Plan gerufen.

Ruhiges Pflaster Liezen

Andere Ortschefs können dem 21. März beruhigt entgegenblicken, darunter Günther Posch (ÖVP) in Admont und Rudolf Hakel (SPÖ) in der Bezirkshauptstadt Liezen, wo es nur um die Höhe des Sieges geht. "Wir wollen die Zwei- Drittel- Mehrheit halten", gibt Hakel die Parole aus. Besonders stolz ist er auf den Sozialmarkt beim Rathaus, der im Vorjahr eröffnet wurde. Kritik, dass Liezen nur noch eine Einkaufsstadt sei, wehrt Hakel ab: "Die Geschäfte sind konzentriert, es gibt keine Zersiedelung."

Das große Thema für die kommende Periode ist die Energiepolitik: "Wir planen ein kleines Wasserkraftwerk beim Pyhrnbach, zudem bestellen wir noch Mitte des Jahres einen Energiemanager." Beim großen Aufreger der Region - der Ennstrasse - glaubt Hakel nicht an eine Umsetzung: Er plädiert für eine Verkehrslösung im Ortsgebiet von Liezen (Kreisverkehre, Unterführungen)  - "die ist vielleicht schon bis zur Ski- WM 2013 machbar".

Knappe Duelle

Apropos Weltmeisterschaft: Auf Schladming warten spannende Jahre, um Geld und eine optimale Infrastruktur (Beispiel: Osteinfahrt) wird noch gekämpft. Bürgermeister Jürgen Winter (ÖVP) hat einen komfortablen Vorsprung zu verteidigen.

Wesentlich spannender könnte es da schon in anderen Kommunen werden: In Grundlsee etwa, wo 2005 die ÖVP sieben Stimmen vor der SPÖ lag, letztere dank der FPÖ aber den Bürgermeistersitz behielt. Zur Umfärbung von Rot auf Schwarz kam es hingegen in Ardning und Gröbming, wo vor Kurzem das Stehlen von Dutzenden Wahlplakaten für große Aufregung sorgte.

SPÖ- Hochburg Selzthal

Weitere Kampfgemeinden im Bezirk sind Gams bei Hieflau, Mitterberg und Weng im Gesäuse. Gähnende Langeweile herrscht hingegen in der Eisenbahnerhochburg Selzthal. Nirgendwo ist die SPÖ stärker: Zuletzt bekam sie fast 87 Prozent!

von Jakob Traby und Barbara Winkler, "Steirerkrone"

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