Rot oder Schwarz: Die Gretchenfrage, zu welcher "Reichshälfte" man gehört, kann für viele steirische Bezirke eindeutig beantwortet werden. Nicht so in Deutschlandsberg. Industrie und Landwirtschaft existieren hier eng nebeneinander, uneinnehmbare Parteihochburgen sind rar, Gemeinden wechseln die Farben. Ein Beispiel: Das stark bäuerlich geprägte Bergdorf Kloster hat einen SPÖ- Bürgermeister…
Hauptstadt als rote Bastion
Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen. In der Bezirkshauptstadt selbst ist hingegen keine Sensation zu erwarten: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist Deutschlandsberg rot eingefärbt. Derzeit haben die Sozialdemokraten 19 (von 25) Mandate. "Diesen Stand wollen wir halten", gibt Bürgermeister Josef Wallner (im Bild) die Parole aus.
Die Herausforderungen werden in der nächsten Periode nicht gerade klein sein: "Die Innenstadt soll wiederbelebt werden, Anfang März wird sich daher eine ARGE Stadtmarketing gründen", so Wallner. Ebenfalls wichtig: "Neue Betriebe sollen sich bei uns ansiedeln. Wir haben durch die Krise 1.000 Arbeitsplätze in der Stadt verloren!"
Hoffnungsschimmer Koralmbahn
Wie viele Bürgermeister in der Region knüpft Wallner Hoffnungen an die Koralmbahn, an der ja fleißig gebaut wird: "Durch den neuen Bahnhof Schilcherland werden Pendler in nur noch 40 Minuten in Graz sein. Deutschlandsberg kann so zu einer richtigen Wohnstadt werden."
Während die Koralmbahn nur noch in Wien angezweifelt wird, gibt es bei der neuen L601 - einer wichtigen Verbindungsstraße zur Bahn und zur A9 - noch Debatten über die genaue Trassenführung. In Frauental fordern Anrainer eine Umfahrung: Der zuerst geplante Straßenverlauf würde mitten durch den Ort führen. Wallner: "Vier Varianten liegen vor, die Bevölkerung wird bei der Entscheidung miteingebunden sein."
Kopf- an- Kopf- Rennen in Bad Gams
Nicht nur in Deutschlandsberg sitzt der Ortschef fest im Sattel. In Freiland und Garanas etwa muss die ÖVP nicht um den Wahlsieg bangen - hier tritt keine zweite Liste an. Spannung herrscht dagegen in Bad Gams. Bei der letzten Wahl 2005 lag die SPÖ gerade einmal neun Stimmen vor der Volkspartei. Die ÖVP wiederum hat nur ein Mandat mehr in den Gemeinden Wernersdorf und Stainztal, wo mit Johann Tomberger der längstdienende Bürgermeister der Steiermark im Amt ist: seit 30 Jahren!
Neu in der Kommunalpolitik ist hingegen Michael Schmid. Der 64- Jährige war in der ersten schwarz- blauen Bundesregierung FPÖ- Infrastrukturminister, später steirischer BZÖ- Chef. Schmid kandidiert in seiner Heimat St. Stefan ob Stainz auf einer Bürgerliste. Sein Motiv: Unzufriedenheit über Bürgermeister Ernst Summer (ÖVP).
Ortschef von Pölfing- Brunn unter Druck
Auch in Lannach muss sich ÖVP- Bürgermeister Josef Niggas mit zwei Bürgerlisten herumschlagen. Beide gelten als ÖVP- nah. Dazu tritt das BZÖ - wie in fünf anderen Gemeinden - an. Eine Abwahl von Niggas ist dennoch unrealistisch. Spannender könnte es da schon in Pölfing- Brunn werden. Hier steht Ortschef Horst Pölzl (SPÖ) nach einem für die Gemeinde unglücklichen Geschäft rund um ein Nahversorgerzentrum ordentlich unter Druck. Wie gesagt, in der Weststeier sind Überraschungen möglich...
von Jakob Traby und Barbara Winkler, "Steirerkrone"