"Ich freue mich riesig, wieder hier zu sein", sagte ein strahlender und braun gebrannter Schwarzenegger, der - wohl aus Anlass des Themas - eine grüne Krawatte zum Anzug gewählt hatte. In Wien seien für ihn so viele positive Erinnerungen an Schönes erwacht, "der herrliche Kaffee, der Kaiserschmarrn, die Musik von Mozart, Wiener Schnitzel", sinnierte er.
"Hier in Österreich hat alles begonnen"
Auch das steirische Kürbiskernöl bekam ein Lob des in Thal bei Graz geborenen 63-Jährigen ab. "Amerika ist zwar das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber hier in Österreich hat alles begonnen", schilderte der Bodybuilder, Filmstar und Ex-Gouverneur von Kalifornien. Hier habe er seine ersten Meisterschaften gewonnen, hier habe er von seinen Eltern "den Willen zur harten Arbeit bekommen".
Weitere Danksagungen sprach er an Alfred Gerstl, einen Freund und Mentor aus Jugendzeiten, an den früheren steirischen Landeshauptmann Josef Krainer sowie "an meine geduldigen Vorgesetzten beim Bundesheer, wo ich Panzerfahrer war" aus - eine Tätigkeit, die Schwarzenegger offenbar nicht mit dem größten Ernst betrieben hatte, weil er sich noch heute darüber sehr amüsierte. Auch den österreichischen Medien wolle er danken, "sie haben mich immer fair behandelt", freute sich Schwarzenegger, den US-Medien wegen seines unehelichen Sohnes mit einer ehemaligen Haushälterin derzeit nicht gerade mit Samthandschuhen anfassen.
Schwarzenegger kündigte an, dass er zwar diesmal leider nur kurz in Österreich sei, aber spätestens im Herbst bei der Eröffnung des Schwarzenegger-Museums dabei sein werde - und schloss den persönlichen Teil seiner Rede mit den Worten: "I'll be back!"
"Wir sollten alle so werden wie Güssing"
Nach diesem recht emotionalen Einstieg folgte bei Schwarzeneggers Eröffnungsrede des Energieforums der UNIDO, der UNO-Organisation für Industrielle Entwicklung, ein Pladoyer für die weltweite Energie-Freiheit. Als Vorbild nannte er den südburgenländischen Ort Güssing, der sich von einer Region ohne Zukunftsaussichten durch die Umstellung auf Energieautonomie und den Einsatz erneuerbarer Energie zu einer international beachteten Gegend mit einer boomenden Wirtschaft gemausert habe. "Wir sollten alle so werden wie Güssing", rief Schwarzenegger die Teilnehmer der internationalen Konferenz in der Hofburg auf.
Sein Heimatland Österreich und seine angenommene Heimat Kalifornien seien "globale Helden" im Bereich der erneuerbaren Energie, meinte Schwarzenegger. In Güssing habe die selbst auferlegte Verpflichtung, alle benötigte Energie selber zu produzieren, zu einem Wirtschaftswunder geführt und zahlreiche Jobs geschaffen. Während früher die Energie zugekauft werden musste, werde jetzt keine Kilowattstunde mehr importiert. "Können Sie sich das vorstellen, dieses Ausmaß von Energie-Freiheit in Güssing?", fragte Schwarzenegger. "Wir sollten alle das tun, was Güssing getan hat."
Mit "Prahlen über Kalifornien" Überzeugungsarbeit leisten
Die "notorischen Neinsager" hätten ihn seinen ganzen Lebensweg lang begleitet, schon vor seiner Bodybuilder-, Filmschauspieler- und Politikerkarriere, aber er habe sie immer Lügen gestraft. Genauso werde er es nun bei seiner Mission für erneuerbare Energie und Umweltschutz machen. Denn Energieautonomie sei möglich, wenn man nur wolle, und sie stehe nicht im Widerspruch zur Wirtschaft, sondern führe zur Schaffung von Jobs in der "Grünen Wirtschaft". Nun gelte es, dass er "durch das Prahlen über Kalifornien", wie Schwarzenegger selbstironisch eingestand, auch andere US-Bundesstaaten, die US-Regierung, die UNO und die ganze Welt von diesem Weg überzeuge.
Als er 2003 zum Gouverneur von Kalifornien gewählt wurde, hätten seine Kritiker daran gezweifelt, dass sich ein Republikaner wie er wirklich für grüne Themen wie den Kampf gegen Klimawandel, Umweltschutz und erneuerbare Energie einsetzen könne. Aber die Skeptiker hätten sich in ihm getäuscht, zog Schwarzenegger Bilanz: Heute sei Kalifornien der drittgrößte Produzent von Sonnenenergie, nach Deutschland und Japan, dabei sei Kalifornien "nur" ein US-Bundesstaat. Diese Bewegung sei in den USA nicht von der Hauptstadt aus, sondern dezentral entstanden, so wie etwa die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und die Frauenemanzipation. "Washington sollte Kalifornien kopieren", richtete er einen direkten Appell an die US-Bundesbehörden.
"Zusammen können wir die Welt verändern"
Schwarzenegger machte in seiner Rede auch klar, dass er sich als Botschafter für Umwelt, Klimaschutz und den Einsatz erneuerbarer Energien versteht. Er wolle nun seine Marketing-Fähigkeiten in den weltweiten Dienst an der Grünen Sache stellen. "Zusammen können wir die Welt verändern", appellierte er vor den versammelten Politikern, Experten, Lobbyisten und Journalisten. "Ich werde die Botschaft um die Welt tragen, das verspreche ich."
Zudem müsse man bei der Verbreitung dieser Botschaft "besser kommunizieren" und die Themen Klimaschutz und erneuerbare Energien mit den Grundbedürfnissen der Menschen in Zusammenhang bringen. Denn ein Bewohner eines Binnenlands - etwa ein Salzburger - werde wegen der Gefahr des steigenden Meeresspiegels schwerlich Emotionen entwickeln. Und ein Texaner könne sich unter schmelzenden Polkappen wohl kaum etwas vorstellen, da er sie wahrscheinlich nie im Leben zu Gesicht bekommen werde.
Bei der bis Donnerstag dauernden Konferenz unter dem Motto "energy for all - time for action" werden über 1.000 Teilnehmer über verschiedene Energiethemen diskutieren. Zu den Rednern gehören Staatschefs, Minister, Experten, Vertreter von Energiekartellen wie der OPEC sowie Vertreter von nichtstaatlichen Organisationen.
Treffen mit Fischer und Faymann
Mit seiner Rede waren Schwarzeneggers "Verpflichtungen" in seiner Heimat aber noch nicht zu Ende: Im Anschluss traf Arnie mit Bundespräsident Heinz Fischer und mit Bundeskanzler Werner Faymann zusammen. Faymann empfing Schwarzenegger zu einem mehr als einstündigen Gespräch im Bundeskanzleramt. Dabei gab es einen Austausch über die politische Situation in Österreich und Europa. "Gouverneur Schwarzenegger hat im Gegenzug über die Politik in den USA im Bezug auf Umwelt, erneuerbare Energien, Arbeitslosigkeit berichtet. Er betonte zudem, dass er es richtig findet, dass die Große Koalition in Österreich den Weg der Mitte statt der Extreme geht", sagte Faymann.
Neben dem Umwelt- und Energiebereich hätten Schwarzenegger auch die Maßnahmen für den Arbeitsmarkt in Österreich "sehr interessiert", berichtete der Bundeskanzler. Abschließend habe Schwarzenegger betont, er würde sich freuen, wenn er Faymann in nächster Zeit auch einmal in Kalifornien begrüßen dürfe. Das Treffen von Schwarzenegger mit Fischer fand in der Präsidentschaftskanzlei statt, inhaltliche Details wurden allerdings nicht bekannt.
Zuletzt Schlagzeilen wegen außerehelicher Affäre
Schwarzenegger gab sein Gouverneursamt am 3. Jänner 2011 ab. Er galt als grüner Gouverneur, bei dem die Umweltpolitik einen hohen Stellenwert einnahm. Zuletzt geriet der frühere "Mister Universum" vor allem wegen einer außerehelichen Affäre mit seiner früheren Hausangestellten Mildred B. in die Schlagzeilen. Die Affäre, aus der ein Kind entstand, wurde öffentlich, als Schwarzenegger und seine Frau, die Kennedy-Nichte Maria Shriver, im Mai ihre Trennung nach 25 Jahren Ehe bekannt gaben.
Der aus Action-Streifen wie "Terminator" bekannte Schauspieler legte vorerst größe Pläne für Filme auf Eis und wollte sich nach Angaben seines Büros um seine "persönlichen Angelegenheiten" kümmern. Geplant sind nur kleinere Nebenrollen. Im Gespräch ist der Filmheld etwa für eine Nebenrolle in einen Hollywoodstreifen über die Kärntner Ski-Legende Erik Schinegger. Die Dreharbeiten dafür beginnen voraussichtlich Anfang 2012 in Tirol.
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