"Krone": Wie schaut Ihre Boa, eine Würgeschlange, aus?
Klaus L.: Sie ist etwa drei Meter lang, 20 Kilogramm schwer, hell- und dunkelbraun gefleckt. Vor zehn Jahren habe ich sie anstatt eines viel teureren Salzwasser- Aquariums gekauft. Damals war sie nur 40 Zentimeter kurz.
"Krone": Was ist passiert?
L.: Nun, die Schlange halte ich in einem Terrarium. So gegen 14 Uhr wollte ich - wie ich es alle fünf bis sechs Wochen mache - ein lebendes Kaninchen verfüttern, das hat meine Boa aber im ersten Moment offenbar irgendwie verschreckt.
"Krone:" Verschreckt?
L.: Ja. Sie ist mit voller Wucht gegen die Schiebetür geprallt. Das Glas ist zersplittert, dann hat mich die Schlange in den kleinen Finger der rechten Hand gebissen. Ist ja nur ein Kratzer...
"Krone:" Und dann?
L.: Ich bin zu einer Geburtstagsfeier gegangen. Um 20 Uhr war ich wieder daheim und hab' die Boa nicht mehr gesehen. Ich glaub's noch immer nicht, aber das sonst so träge Reptil hat es geschafft, über die gekippte Balkontür aus dem ersten Stock zu entkommen. Hoffentlich wird es bald gefunden.
Schlange war nicht gemeldet, Kauf vor 10 Jahren aber legal
Die Behörden wussten von Amanda übrigens nichts. Laut Polizei- Einsatzleiter Willibald Thaller hatte der Schlangenbesitzer das Reptil nicht gemeldet. Vor zehn Jahren war der Kauf einer Boa allerdings noch legal. Ein behördliches Verfahren gegen den Tierhalter sei zwar eingeleitet worden, ob der Mann für ein Melde- Vergehen belangt werden kann, sei aber "eine Frage der Rechtsauslegung".
Wegen der offen gelassenen Balkontür drohe dem 52- Jährigen aber auch ein Verfahren wegen fahrlässiger Gemeingefährdung. Thaller hielt dem Halter aber zu Gute, dass er überhaupt die Polizei informiert habe. Eine weitere Konsequenz werde eine Rechnung für den Einsatz sein. Wie hoch diese ausfallen wird, konnte er nicht sagen: "Die meisten Beamten waren ohnehin im Dienst und die Polizeischüler wären sonst eben in ihren Klassen gesessen."
In Sachen Tierschutz wird von der Polizei jedenfalls das Terrarium, in dem Amanda lebte, beanstandet. Dass das Behältnis in jedem Fall zu klein war, habe selbst er als Laie erkannt, so Thaller.
Keine Suchaktionen mehr
Derzeit wird nach der Boa, die in den Gärten der Christophorus- Siedlung in Graz vermutet wird, nicht aktiv gesucht. "Wir fahren gelegentlich mit einer Streife vorbei und die umliegenden Bauern versprachen, auch in ihren Kürbisäckern ab und zu nachzuschauen", so Polizeieinsatzleiter Willibald Thaller. Man gehe davon aus, dass es der Schlange momentan zu kalt ist und sie sich vorerst an einem warmen Plätzchen verkrochen hat.
Symbolbild