Der traut sich was, der Nagl! Einen derart mutigen Appell hätte man dem stets so ruhig wirkenden Bürgermeister gar nicht zugetraut. Aber er hat in der Sache völlig Recht.
Die Stadt Graz gibt Jahr für Jahr Millionen Euro dafür aus, dass niemand auf der Straße schlafen muss, jeder etwas zu essen bekommt und auch nicht frieren muss. Die sozialen Einrichtungen dieser Stadt (Vinzi- Dorf und Vinzi- Nest, Arche 38 der Caritas, Notschlafstelle für Obdachlose, Marien- Stüberl und -Ambulanz etc.) dürfen als beispielhaft bezeichnet werden.
Kurzum: In Graz muss niemand betteln. Und organisierte Bettelbanden aus Osteuropa, die mit verkrüppelten Menschen ihren miesen Geschäften nachgehen, haben in dieser Stadt nichts verloren. Und eines ist auch klar: Die zweifellos Bedürftigen müssen das Gespendete ohnehin bei ihren Bossen abliefern.
Siegfried Nagl reagiert mit seinem Appell auch auf "Steirerkrone"- Berichte der vergangenen Tage. Wenn unser Fotograf nicht die geringste Mühe hat, innerhalb einer Stunde 15 Bettlerinnen oder Bettler zu finden, ist das Problem evident. Und? Was wird jetzt passieren? Es ist zu erwarten, dass viele Menschen Nagls Aufruf folgen und sich nicht länger via Mitleidsmasche das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Und schnell, ganz schnell wird die Bettelmafia samt ihren skrupellosen Capos verschwinden. Hut ab, Herr Bürgermeister…
von Christoph Biró, "Steirerkrone"