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Der Bezirk Leoben als Wiege der Sozialdemokraten

04.03.2010, 18:34
Der Bezirk Leoben als Wiege der Sozialdemokraten (Bild: Stadtgemeinde Leoben)
Foto: Stadtgemeinde Leoben
In 14 von 19 Gemeinden des Bezirkes Leoben hat die SPÖ bei der Gemeinderatswahl 2005 die 50- Prozent- Hürde genommen. Heuer verspricht die Ausgangslage mehr Spannung, da so viele Parteien und Bürgerlisten wie noch nie um die Gunst der Wählerschaft buhlen.

Leoben ist mit seinen 64.000 Einwohnern seit jeher ein roter Vorzeigebezirk mit SPÖ- Mehrheiten bis zu 80 Prozent. In der von Industrie geprägten Hauptstadt haben natürlich auch die Roten mit 20 Mandaten das Sagen im Gemeinderat, was Bürgermeister Matthias Konrad (Bild), der heuer bereits zum vierten Mal kandidiert, auch so beibehalten möchte. Sein Schwur: "Erreichen wir wieder ein Ergebnis über 60 Prozent, pilgere ich nach Mariazell."

Konrad, der eigentlich schon mit der Pension geliebäugelt hatte, will es nun doch noch einmal wissen. Seine Kernthemen: "Um Einwohner und Investoren muss weiterhin verstärkt gekämpft werden, auch gilt es, die Innenstadt in ihrer Gesamtheit zu stärken." Darüber hinaus möchte der 66- Jährige den Uni- Campus ausbauen, die Ethno- Ausstellungen weiterführen und das Rathaus an seinen alten Stammplatz am schönen Hauptplatz siedeln.

Die Qual der Wahl

Dieses Mal wird der Ortschef es allerdings wohl ein bisschen schwerer haben. In der Montanstadt tritt nämlich erstmals auch die "Liste Walter Reiter" an, womit die SPÖ einen harten Widersacher bekommt. Reiter, der einst für die Roten aktiv war, kehrte der Partei im Unfrieden den Rücken und betreibt jetzt einen auffallend intensiven Wahlkampf. Ein bis zwei Mandate werden dem Abtrünnigen zugetraut. Die Leobner werden am 21. März aber überhaupt die Qual der Wahl haben. Neben der SPÖ und der "Liste Reiter" gehen auch noch ÖVP, FPÖ, Grüne, BZÖ, KPÖ und die "Liste Mlinar" (bisher für die KPÖ im Gemeinderat tätig) ins farbenfrohe Rennen.

Um jede Stimme wird gebuhlt

Eine Kampfgemeinde im Bezirk ist auch St. Peter- Freienstein. Fritz Kreisl von den Schwarzen, der hier 15 Jahre die Geschäfte führte, tritt überraschend nicht mehr an, sein Nachfolger ist Christian Leinweber. Vermutlich eine gute Wendung für die SPÖ, der bei der letzten Wahl nur ganz wenige Stimmen gefehlt haben, um das Ortsoberhaupt zu stellen.

In Gai, ebenfalls von der Volkspartei dominiert, könnte es am Wahlsonntag ebenso spannend werden. Sozialisten und Grüne rechnen sich gute Chancen aus, da es innerhalb der ÖVP unerwartet zu einer Abspaltung gekommen ist. Bernhard Zechner heißt der "verloren gegangene Sohn", der übrigens auch IG- Milch- Vertreter ist. Dank seiner Liste "Wir für Gai" wird es ein spannender Wahltag.

In Kraubath stellt sich die Situation ähnlich dar. Andrea Saiger, die bis vor Kurzem noch eng mit der ÖVP zusammengearbeitet hat, wittert jetzt mit ihrer christlich- sozialen Bürgerliste Chancen, den schwarzen Ortschef vom Thron zu kicken.

Brennpunkt Schubhaftzentrum

Das kleine Örtchen Vordernberg im Herzen der Steirischen Eisenstraße will vor allem eines: nach dem Niedergang der Industrie noch einmal eine wirtschaftliche Blüte erleben. SPÖ- Bürgermeister Walter Hubner sieht die Lösung im teils heftig kritisierten Schubhaftzentrum. Da bekanntlich 70 Prozent der Bewohner "Ja" zu dem Projekt gesagt haben, stehen die Chancen für die Roten, abermals satte Gewinne einzufahren, sicherlich nicht schlecht. Zuletzt waren es immerhin beachtliche 80 Prozent der Stimmen, womit man aktuell zwölf von 15 Mandaten hält.

Auch KPÖ und Grüne stehen gut da. Für die Kommunisten gehört der Bezirk Leoben traditionell zu den stärksten, aber auch die Grünen sind in der Region immer besser aufgestellt. Mittlerweile geht man in Gai, Leoben, Trofaiach und St. Michael in das Wahlrennen.

von Barbara Winkler und Jakob Traby, "Steirerkrone"

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