Wer wie Bernd Rosenberger (Bild) in der Bezirkshauptstadt Bruck bei der letzten Wahl 66 Prozent Zustimmung erhielt und in den fünf Jahren, die seitdem vergangen sind, keine groben Schnitzer gemacht hat, braucht sich vor dem 21. März nicht zu fürchten.
"Mein Ziel ist es, den derzeitigen Mandatsstand (22 Gemeinderäte, Anm.) zu halten. Es wäre vermessen, wieder Zugewinne zu erwarten", gibt sich Rosenberger im Gespräch mit der "Steirerkrone" bescheiden, aber auch realistisch. Immerhin hat die SPÖ im Vorjahr bei allen Wahlen in Österreich deutlich verloren. "Ein gewisser Trend wird wohl auch auf die Gemeinderatswahl abfärben."
Generell ist es in Bruck noch recht ruhig, grobe Misstöne oder Schmutzkübelkampagnen wie anderswo fehlen. "Alle Parteien mäßigen sich, wir haben uns auf einen kurzen Wahlkampf verständigt", freut sich der Bürgermeister über die Disziplin. Erst drei Wochen vor der Wahl werden die Plakatständer das Stadtbild prägen.
Noch dominanter als in Bruck sind die Sozialdemokraten in Kapfenberg. Hier tritt Brigitte Schwarz - eine von fünf weiblichen SPÖ- Spitzenkandidaten im Bezirk - ein schweres Erbe an: 77 Prozent konnte ihr Vorgänger Manfred Wegscheider (der ja mittlerweile als Umweltlandesrat in der Landeshauptstadt tätig ist) bei der Wahl 2005 gewinnen - ein hoher Ausgangswert, bei dem Schwarz eigentlich fast nur verlieren kann.
Hoffnung für die Herausforderer besteht also, allen voran für die ÖVP unter Andreas Handlos. Zuletzt fehlten nur etwa 100 Stimmen auf einen Vizebürgermeistersitz in der Böhlerstadt.
Interessant ist die Situation in Mariazell, einer der raren ÖVP- Bastionen im roten Bezirk Bruck. Dort tritt Langzeitbürgermeister Helmut Pertl (ÖVP) diesmal nicht mehr an. Der designierte Nachfolger Nikolaus Hulatsch war nach dem finanziellen Flop rund um das Kongresszentrum Europeum (Hulatsch war Geschäftsführer) nicht mehr durchsetzbar. Neuer Listen- Erster ist daher der 56- jährige Fotografenmeister Josef Kuss. Interessant wird auch, wie die überparteiliche Liste "Gemeinsam für unser Mariazell" abschneiden wird.
Ebenso wie in Bruck, Kapfenberg und Mariazell ist auch in den meisten anderen Gemeinden die Ausgangslage klar: Eine Partei dominiert, so zum Beispiel die Sozialdemokraten in St. Sebastian und Gußwerk, wo sie zuletzt jeweils mehr als 70 Prozent erreichten. Spannend könnte es hingegen in St. Lorenzen im Mürztal werden. Hier führt die ÖVP derzeit nur mit 11:9 Gemeinderäten gegenüber der SPÖ. In Aflenz- Land haben die Schwarzen gar nur ein Mandat mehr. In Halltal und Turnau muss die SPÖ einen knappen Vorsprung verteidigen.
Amüsantes Detail am Ende: In St. Kathrein an der Laming müssen die Wähler aufpassen, dass sie ihr Kreuz beim richtigen Spitzenkandidaten machen. Sowohl bei der ÖVP (Bürgermeister Hubert) als auch bei der SPÖ (Herausforderer Bernhard) heißt er nämlich Zinner. Die beiden sind übrigens nicht miteinander verwandt...
von Jakob Traby und Barbara Winkler, "Steirerkrone"