Politik ohne Kontroversen - das ist in Bad Radkersburg als regionales Zentrum, seit dem Friedensvertrag von St. Germain im Jahr 1919 geteilte Grenzstadt, leider nur Wunschdenken. Das Klima ist seit langem vergiftet, jetzt - so kurz vor der Wahl - läuft der Intrigantenstadel noch einmal zu Höchstformen auf.
Aber alles der Reihe nach: Seit elf Jahren ist Peter Merlini - als eine recht markante Person - das politische Aushängeschild der südsteirischen Thermenstadt. Mit seiner Liste hält der Rauchfangkehrermeister zur Zeit fünf Mandate, die Volkspartei mischt mit ebenso vielen mit, vier "Karten" hat die SPÖ, eine die Grünen; so viel zur Ausgangslage. Denn ob das Wahlziel des 65- Jährigen - Herr im Rathaus zu bleiben - zu schaffen ist, könnte ob der geballten und vor allem umtriebigen Konkurrenz spannend werden.
Da gibt es zum einen den politischen ÖVP- Quereinsteiger Josef Sommer (bis 2008 Chef der Parktherme), zum anderen die ehemalige Vizebürgermeisterin (damals für die Merlini- Liste!) Sonja Witsch, die jetzt als Grüne Spitzenkandidatin um die Gunst der Wähler buhlt. Deren gemeinsame Mission: das Listen- Monument Merlini vom Platz zu verweisen. Beliebtester Vorwurf: Beim Bürgermeister würden zu viele Geschäftsführerfunktionen zusammenlaufen, die Machtkonzentration sei schlicht zu groß.
Peter Merlini will von alledem jedoch nichts wissen, kontert, dass es für jede "Zusatzfunktion" Gemeinderatsbeschlüsse gebe. Und er kann auf eine recht ordentliche Hausaufgabenliste verweisen: "In den vergangenen Jahren wurde die Therme, von der die gesamte Region lebt, wieder auf Schiene gebracht, das neue so genannte 'Zehner Haus' konnte als wichtiges Kongress- und Tourismuszentrum eröffnet werden, und auch in die Infrastruktur, wie etwa unsere Kläranlage, wurde rechtzeitig investiert." Warum der Wahlkampf gerade in seiner Heimatgemeinde so ausufert? "Wahrscheinlich, weil ich zu erfolgreich bin".
Die zur Zeit prominenteste Problemgemeinde des Bezirks: Gosdorf. Hier wollte ja bekanntlich SPÖ- Landesgeschäftsführer Anton Vukan (neben Tieschen die einzige Kommune mit einem roten Ortschef) in seiner Funktion als Bürgermeister mit seinem Murturm hoch hinaus. Das Bauwerk ist zweifelsohne nicht nur durch die architektonische Brille ein Unikum, auch in Sachen Finanzierung muss man dem Projekt Einmaligkeit attestieren: 382.000 Euro wurden für das Wahrzeichen in spe vereinbart, bei 1,3 Millionen ist man letztendlich "zum Liegen" gekommen. Nur logisch, dass sich die ÖVP mit Gerhard Rauch an der Spitze (aktuell steht es neun zu sechs für die Roten) die Hände reibt.
Starke Konkurrenz aus den eigenen Reihen gibt es für die Volkspartei in St. Peter am Ottersbach: Hier sieht sich der Weinbauer Günther Rauch, der zum ersten Mal für die ÖVP als Spitzenkandidat ins Rennen geht, gleich zwei mehrheitlich ÖVP- nahen Listen gegenüber.
Ungewöhnlich auch die jüngere Geschichte in Hof bei Straden: Hier wurde im Vorjahr überraschend der Journalist Markus Neumayer zum Volksbürgermeister gewählt. Gerade weil sein Blatt noch relativ unbeschrieben ist, wird dem Bürgerlisten- Spitzenkandidaten hier nicht nur von der Konkurrenz ganz genau auf die Finger geschaut.
Ebenso interessant der Schauplatz Deutsch Goritz: Das verpfuschte Gemeindezentrum brachte der ÖVP als Mehrheitspartei ein Imageproblem. Wie berichtet, steht das Haus ja halbfertig da, da der Investor pleite ging.
von Barbara Winkler und Jakob Traby, "Steirerkrone"