Mit einer Mischung aus multikultureller Folklore und moderner Akrobatik haben am Freitagabend im italienischen Bormio die 29. alpinen Ski-Weltmeisterschaften begonnen. Der Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, Gian-Franco Kasper, eröffnete in fünf Sprachen die Titelkämpfe. Bormio ist gemeinsam mit dem benachbarten Santa Catarina zum zweiten Mal nach 1985 Gastgeber der Alpin-WM.
Bei klirrender Kälte überraschtendie italienischen Organisatoren beim nach Kaspers Worten "größtenSkifest des Jahres" zunächst nicht mit einem winterlichenThema: Tänze der Azteken, Apachen, Inkas und Cree-Indianersollten den Respekt vor der Schönheit der Erde ausdrücken.Die Vertreter dieser Indianer-Stämme waren von der Organisation"Der Geist des Planeten" eingeladen worden und sollten daraufaufmerksam machen, dass diese Kulturen bereits beinahe vom Erdbodenverschwunden waren. Passend zu dieser Darbietung lief die ganzeEröffnungsshow unter dem Motto "Der Geist der Berge".
So gut der Auftritt der Indianer auch gemeint war,so wenig Stimmung kam bei deren rund 25-minütigen Auftrittauf: selbst ORF-Kommentator Robert Seeger - sonst eher fürseine Vielrederei bekannt - verschlug es minutenlang die Sprache.Nach einigen Minuten Stille meldete sich Seeger mit den Worten"Für alle Zuseher, die erst jetzt zugeschaltet haben: Siesind hier richtig bei der Eröffnung der Ski-WM" zurück...
Kurz nach der offiziellen Eröffnung stiegauf dem zentralen Platz "Piazza Cavour" ein den gerade aufgegangenenVollmond symbolisierender Ballon empor. Auf der Bühne imZielstadion drückten ganz in weiß gekleidete Turnerinnendie Dynamik des Wintersports aus. Die dreifache OlympiasiegerinDeborah Compagnoni fuhr begleitet von Laser- Animationen den Zielhangder "Stelvio"-Piste herunter. Beendet wurde die Feier mit demobligatorischen spektakulären Feuerwerk.
Athleten verzichten auf Eröffnung Bei minus 15 Grad Celsius verzichtete ein Großteilder Spitzenathleten auf ein Erscheinen bei der Eröffnungsfeier.Für Österreich nahm nur Fahnenträgerin MichaelaDorfmeister teil.
Wenig Stimmung Die frostige Stimmung übertrug sich auch aufdie (wenigen) Zuschauer. Jetzt kann man eigentlich nur noch hoffen,dass sich wenigstens bei den Rennen mehr Zuseher blicken lassenund noch etwas Stimmung aufkommt. Wie "Krone"-Kolumnist GeorgFraisl aus Bormio berichtet, herrscht dort "tote Hose". Selbstum acht Uhr am Abend sind die Straßen wie ausgestorben,die Restaurants und Gasthäuser denken schon ans Zusperren- kein Vergleich zu dem Bormio der Weihnachtsferien, als sichdie Mailänder Schickeria in Pelz und Schmuck im Nobelskiortversammelte. Einige WM-Touristen versuchen bereits die Fluchtaus dem WM-Ort anzutreten. So suchen einige Abreisewillige mittelsFlugblättern unter Autoscheibenwischern MitfahmöglichkeitenRichtung Norden...
Proteste von Umweltorganisationen Begleitet wurde die Eröffnungszeremonie vonProtesten durch Umweltschutzgruppen. Etwa 80 Personen hatten seitden Mittagstunden auf der "Piazza Cavour" für einen die Naturschonenden Tourismus demonstriert. Die neu gebaute Damen-Pistein Santa Catarina führt durch ein Naturschutzgebiet und konnteerst nach langen Verhandlungen mit den Umweltbehörden fertiggestellt werden.
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