"Krone"-Interview

Schild: “Ich will mir nicht den Spaß verderben lassen”

Sport
05.01.2012 16:52
Eine Siegesserie begeistert die Sportwelt: Marlies Schild raste fünf Mal hintereinander zum Weltcup-Erfolg. Die Salzburger "Snow Queen" spricht im "Krone"-Interview über das Geheimnis ihres Triumphes.

Sie knotzt gerade gemütlich auf der Couch zuhause bei ihren Eltern in Saalfelden, als wir am Mittwoch telefonieren; im Fernsehen läuft die Vierschanzentournee. "Ich bin gestern erst um halb zwei Uhr in der Nacht aus Zagreb gekommen", erzählt sie, "und habe heute erst einmal ausgeschlafen."

Der Zuhause-Moment nach fünf Slalom-Siegen, muss das schön sein. Dazu Bauernhof-Feeling und das Schnurren von Kater "Romeo". Marlies Schild, die "Snow Queen" von Zagreb, die "Silvesterrakete", die Unschlagbare. Superlative können auch ein Fluch sein. 

Im Interview mit der "Krone" spricht sie im Salzburger Dialekt, den man auch aus der Werbung kennt, und lacht viel. Es geht um ihren Glauben, um Bauchgefühle und Erfolgsdruck. 

"Krone": Frau Schild, kennen Sie das Gesetz der Serie?
Marlies Schild: Nein, sagen Sie's mir.

"Krone": Das sind auffällige Wiederholungen mit gespenstischem Muster. Aber irgendwann reißt die Serie ab.
Schild: Ja, natürlich! Und dessen bin ich mir auch bewusst. Ich versuche deshalb, nicht an so was zu denken. Jetzt habe ich zwei Wochen Pause, die Zeit werde ich nutzen.

"Krone": Auf der Couch liegen, fernschauen, faulenzen?
Schild: Schon. Aber auch meine Kondition trainieren und mich wieder auf die kommenden Rennen einstellen.

"Krone": Ist diese Siegesserie, die Sie hingelegt haben, nicht ein ungeheurer Druck?
Schild: Der Druck ist da. Ich versuche aber, ihn gar nicht an mich herankommen zu lassen. Ich konzentriere mich aufs Wesentliche und das ist das Skifahren. Ich kann nicht an Serien und Gesetze denken und daran, wann diese Serien enden. Ich will mir auch nicht den Spaß, den ich am Skifahren hab', verderben lassen.

"Krone": Wo ist der Spaßfaktor, wenn man da runterrast und um Hundertstel Sekunden schneller sein muss als die Konkurrentinnen?
Schild: Am Tag vor dem Rennen ist die Anspannung natürlich riesengroß. Aber Stress und Druck sind es doch auch, die das Leben interessant machen. Wenn ich das einmal nicht habe, dann merke ich, wie sehr es mir abgeht. Deswegen versuche ich, das auch zu genießen. Wenn ich dann am Start stehe, so kurz vor dem Rennen, dann ist es eine große Erleichterung, wenn ich meine Stöcke nach vorne gebe und es endlich losgeht.

"Krone": Fünfmal Erste, was genau macht Sie zur Siegerin?
Schild: Einfach ist das nicht zu beantworten. Erstens gehört eine große Portion Glück dazu, dass auch alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Aber eben auch Können. Ich habe jahrelang an der Technik und auch an mir gearbeitet. Wenn dann endlich alles passt, dann gewinnt man auch das Vertrauen in sich selbst, sammelt Erfahrung, um Situationen gut einschätzen, die Technik gut anpassen zu können, wie zuletzt an den nassen Schnee in Zagreb.

"Krone": Spüren Sie diesen entscheidenden Bruchteil einer Sekunde Vorsprung, wenn Sie ins Ziel fahren?
Schild: Den spürt man immer schwerer. Ich weiß höchstens, dass ich fehlerfrei gefahren bin, aber deswegen verlasse ich mich nicht drauf, dass es schon passt. Ich muss trotzdem Gas geben, um das Letzte rauszuholen, muss die optimale Leistung abrufen können.

"Krone": Gas gibt man ja normal beim Autofahren. Wo ist bei Ihnen dieses Pedal?
Schild: Spontan würde ich sagen: im Bauch. Ich vertraue sehr auf mein Bauchgefühl, man atmet ja auch über den Bauch, stellt von da die Verbindung zu den Organen her. Das perfektioniere ich auch mit meiner Osteopathin.

"Krone": Bei wem bedanken Sie sich, wenn Sie siegen?
Schild: Bei meinem Trainer, mit dem ich schon jahrelang sehr intensiv und auch freundschaftlich arbeite, bei meinem gesamten Betreuerteam. Am Erfolg haben viele ihren Anteil.

"Krone": Auch der liebe Gott?
Schild: Ich bin schon gläubig. Ich gehe auch gerne in die Kirche. Das ist für mich ein Ort der Ruhe, wo ich abschalten und über viele Dinge nachdenken kann. Ich glaube daran, dass man ein tiefes Vertrauen in seine Fähigkeiten haben sollte, dann kommt alles so, wie es kommen soll oder eben wie Gott es will.

"Krone": Ihr Weg an die Spitze war ein sehr schmerzlicher. Sie hatten eine Unzahl an Operationen, die schwerste 2008. Welche Erinnerung haben Sie daran?
Schild: Während meiner letzten Verletzung wusste ich zeitweise nicht mehr, ob es mit dem Leistungssport wieder funktionieren würde. Ich war psychisch und physisch ziemlich am Boden. 

"Krone": Stimmt es, dass Ihr Vater hier eine wichtige Rolle spielte?
Schild: Er hat immer an meinen Aufstieg geglaubt und mir damals einen Privattrainer finanziert. Stefan Bürgler hat mich jahrelang hart trainiert und irgendwann ist es dann wieder nach oben gegangen. 

"Krone": Hat Bürgler magische Kräfte?
Schild: Nein, mit Magie hat unsere Arbeit nix zu tun. 

"Krone": Sie sind seit mehr als sieben Jahren mit Benni Raich zusammen. Noch ein Slalom-Sieg, dann ziehen Sie mit Ihrem Freund gleich. Ist das nicht ein Stress für ihn?
Schild: Nein, meine Erfolge stehen nicht zwischen uns. Wenn wir einen Konkurrenzkampf ausfechten würden, dann hätten wir ein Problem in der Beziehung, das ist aber überhaupt nicht der Fall. Also spornen wir uns beide gegenseitig an, wer mehr Siege hat, ist komplett egal.

"Krone": Wie lange müssen Hochzeit und Kinder warten?
Schild: Das wissen wir beide noch nicht. Ich bin auch noch nicht gefragt worden. (lacht) Im Moment ist noch nicht die Zeit dafür, wir sind noch zu sehr eingespannt im Sport.

"Krone": Was ist das Geheimnis Ihrer Beziehung?
Schild: Vielleicht, dass wir auf der gleichen Welle schwimmen. Und dass es ein Thema gibt, über das wir wenn möglich gar nicht reden. Übers Skifahren...

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