Schmidt schien nach der ersten Liga- Niederlage nach drei Siegen bzw. der ersten nach saisonübergreifend 17 Spielen ziemlich bedient. Der Deutsche ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht. "Wir müssen uns jetzt alle hinterfragen, auch ich selbst, wie ich mit den Spielern umzugehen habe", sagte Schmidt - und sprach damit den alten Vorwurf an, wonach bei den "Bullen" eine gewisse Söldner- Mentalität vorherrscht.
Dass Salzburg vor immerhin 16.600 Zuschauern den Erwartungen hinterherhinkte, war Schmidt ein Dorn im Auge. "Red Bull bringt man immer mit Qualität in Verbindung, für mich zählt aber nur die Qualität, die man am Platz sieht, und das war gegen Rapid zu wenig. Wir haben im Prinzip alles vermissen lassen, kein Spieler hat die Initiative ergriffen, es hat sich jeder auf den anderen verlassen", monierte der seit Sommer amtierende Trainer.
Dass sich mit Torhüter Alexander Walke ein sonst verlässlicher Akteur einen folgenschweren Patzer zum 0:1 durch Deni Alar (26.) leistete, passte an diesem Nachmittag gut ins Bild. Für das i- Tüpfelchen sorgte nach Rapids 2:0 durch den eingewechselten Lukas Grozurek (76.) dann Jonathan Soriano, der die letzte Chance auf ein mögliches Comeback in der wohl kuriosesten Situation der noch jungen Saison vergab. Der Spanier, mit fünf Treffern immerhin Führender der Torschützenliste, jagte einen Elfmeter (81.) mehrere Meter über die Latte.
"Schade, wenn in so einem Stadion der Platz nicht in Ordnung ist, Soriano kann nichts dafür", verteidigte Jakob Jantscher seinen Teamkollegen. Der ÖFB- Internationale zeigte zumindest Mut zur Selbstkritik: "Wir haben alles vermissen lassen, so kann man gegen Rapid nicht bestehen."
Die Möglichkeit auf eine Reaktion ergibt sich für Salzburg am kommenden Samstag auswärts bei der Admira. Rapid empfängt dann zu Hause Sturm Graz, ehe es ins Hinspiel der Europa- League- Qualifikation gegen PAOK Saloniki (23. August) geht. Die grün- weißen Batterien sollten bis dahin noch voll geladen sein. "Wir haben gezeigt, dass wir mit der Doppelbelastung umgehen können und man darf zum jetzigen Zeitpunkt auch in englischen Wochen keine Müdigkeit spüren", erklärte Regisseur Steffen Hofmann.
Überhaupt hat Rapid nach der Derby- Klatsche am vorvergangenen Sonntag eine Woche ganz nach dem Geschmack der Fans abgeliefert. Am Donnerstag schafften die Grün- Weißen in einer Nervenschlacht gegen Novi Sad den Aufstieg in der Europa- League- Qualifikation, drei Tage später legten die Hütteldorfer mit einem 2:0- Auswärtssieg bei Meister Salzburg nach. Dank des besseren Torverhältnisses liegt Rapid in der Tabelle nach vier Runden nun gar vor Erzrivale Austria, SV Ried sowie dem abgelösten Spitzenreiter Salzburg voran.
"In dieser Saison hatten wir nur einen Ausreißer - die Derby- Niederlage. Wir sind im Europacup weiter, und haben jetzt bewiesen, dass wir auch in Salzburg bestehen können", meinte Peter Schöttel. Rapids Trainer konnte sich darüber freuen, dass die nach der Derby- Pleite aufkommende Kritik schon im Keim erstickt wurde. Nach dem laut Steffen Hofmann "sehr süßen" Erfolg in der Mozartstadt scheint der Hausfrieden im Westen Wiens wieder gewahrt.