Melzer saß zum Zeitpunkt der Auslosung auf dem Ergometer und musste, als er von seinem Gegner erfuhr, zunächst einmal lachen. Denn Österreich trifft im Weltgruppen-Play-off im September in Groningen ja auf die Niederlande. "Als nicht gesetzter Spieler muss man nehmen, was man kriegt", sagte Melzer und spielte auf den aktuellen Lauf von Sijsling in Düsseldorf an, wo der Niederländer bereits im Halbfinale steht. "Er hat dort Kohlschreiber geschlagen. Aber trotzdem: Auf Sand ist das sicherlich eine lösbare Aufgabe", stellte Melzer fest. Immerhin hätte ihm als ungesetzten Spieler auch ein Großer blühen können. "Er hat einen sehr guten Aufschlag, ein super Spielverständnis und setzt seinen Slice ganz gut ein", analysierte der Weltranglisten-37. seinen ersten Gegner. Sijsling sei ein ziemlich kompletter Spieler, der aber auch noch das eine oder andere Auf und Ab habe.
"Es fehlt halt noch das Vertrauen auf Sand"
Für Melzer lief es auf Sand bis auf das Achtelfinale in Monte Carlo zuletzt nicht nach Wunsch, wovon Erstrunden-Niederlagen in München, Madrid und Rom zeugen. "Klar waren die letzten Wochen alles andere als zufriedenstellend. Gegen Monfils und Nishikori waren die Leistungen nicht schlecht, gegen Anderson (in Rom, Anm.) war es schlecht", erklärte Melzer. "Es fehlt halt noch das Vertrauen auf Sand, die Rallyes gehen zu können, weniger Fehler zu machen, doch auch aggressiv zu spielen." Dies habe er versucht, sich in den vergangenen Tagen in Paris zu erarbeiten. Prominenter Trainingspartner war da am Donnerstag der 17-fache Major-Sieger Roger Federer. "Wir haben zwei Stunden miteinander trainiert. Es war eine sehr gute Einheit, aber Training und Match sind halt zwei verschiedene Paar Schuhe", berichtete Österreichs Nummer eins. Ein Training auf sehr hohem Niveau bringe ihn aber auch weiter.
"Vom Körperlichen her fühle ich mich wohl"
Gut ist der körperliche Zustand Melzers, der in den vergangenen zwei Jahren immer verletzt nach Paris gekommen war. Gerade beim anstrengenden Grand Slam auf Sand spielt die Fitness noch eine größere Rolle. "Vom Körperlichen her fühle ich mich wohl, die letzten zwei Auftritte hier waren mit sehr vielen Schmerzen verbunden", erinnerte sich Melzer, der im Falle eines Sieges entweder auf Tommy Robredo (ESP-32) oder Jürgen Zopp (EST) trifft. Sollte er erstmals seit seinem Semifinaleinzug 2010 wieder die dritte Runde erreichen, droht ihm Tomas Berdych (CZE-5). An seinen größten Erfolg bei einem Major denkt Melzer natürlich gerade in Paris schon immer wieder zurück. "Klar, - der Roger und ich haben auf dem (Court) Suzanne Lenglen trainiert - sind das schöne Erinnerungen." Auf jenem Platz, auf dem er einen 0:2-Rückstand gegen Novak Djokovic zum Sensationssieg und Halbfinaleinzug verwandelt hatte.
Paszek trifft auf US-Amerikanerin Oudin
Die als Nummer 28 gesetzte Tamira Paszek eröffnet ihre sechsten French Open gegen die US-Amerikanerin Melanie Oudin. Für die 22-jährige Vorarlbergerin geht es zum dritten Mal gegen die aktuelle Nummer 80 der Welt, Paszek gewann die bisherigen beiden Begegnungen. Doch Paszek blickt auf eine alles andere als erfreuliche Saison zurück: Nur ein einziger Sieg in zehn Turnieren spricht Bände. Im Vorjahr hatte Paszek einen ähnlich schwachen Saisonstart, schaffte dann aber mit dem Rasenturnier-Sieg in Eastbourne und dem Viertelfinale in Wimbledon eine nicht für möglich gehaltene Trendwende. Dank dieser Erfolge ist sie in diesem Jahr unter den Gesetzten, nun gilt es für Paszek, diesen Vorteil in Zählbares umzumünzen. Paris ist aber kein guter Boden für Paszek: Abgesehen von 2007 (2. Runde) musste sie sich 2008, 2009, 2011 und 2012 gleich zum Auftakt beugen (2010 nicht angetreten).
"Ich weiß, wie sie spielt. Ich muss mein Spiel durchziehen, geduldig sein, auf meine Chancen warten und vor allem aggressiv sein", sagte Paszek zum Duell gegen Oudin. Dass ihre Saison bisher verkorkst ist, möchte sie nun ändern. "Ich bin sehr glücklich, dass ich nach schwierigen Monaten jetzt hier in Paris völlig gesund antreten kann. Ich kann es kaum mehr erwarten, dass das Turnier beginnt", meinte die Vorarlbergerin. Paszek ist in der unteren Tableau-Hälfte im Einsatz, gewinnt sie, spielt sie gegen Zheng Jie (CHN) oder Vesna Dolonc (SRB). Spätestens in Runde drei wäre Co-Favoritin und Titelverteidigerin Maria Scharapowa (RUS-2) eine wohl zu hohe Hürde.
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