Prozess-Auftakt

Rapid-Fans bekennen sich nicht schuldig

Fußball
03.10.2011 15:36
Die Verteidiger der angeklagten Rapid-Fans haben am Montag beim Prozessauftakt um die gewalttätigen Ausschreitungen am Wiener Westbahnhof vom Mai 2009 schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden erhoben. Man habe "die Falschen angeklagt", stellte Rechtsanwalt Werner Tomanek fest. Und während Staatsanwältin Dagmar Pulker in ihrem Eröffnungsplädoyer mit den Angeklagten hart ins Gericht ging, bekannten sich alle 30 anwesenden Rapid-Fans nicht schuldig.

"Ich habe nix gemacht", sagte etwa einer, der bei seiner polizeilichen Einvernahme noch zugegeben hatte, man habe die Austrianer "abpassen" und einen Rapid-Anhänger "rächen" wollen, dem ein paar Wochen zuvor von einem Austrian-Fan die Kniescheibe gebrochen worden sein soll.

Davon wollte der junge Mann jetzt nichts mehr wissen. Die Polizei habe ihm diese Aussage "in den Mund gelegt", er sei aus reiner Neugierde mit zum Westbahnhof gegangen. Dass es dabei zu turbulenten Szenen kam, erklärte der Angeklagte mit der Bemerkung, bei Demonstrationen könne "auch immer was passieren".

Fans wollten angeblich nur "Flagge zeigen"
Ein weiterer Beschuldigter meinte zu seinen Beweggründen, er habe damals "Flagge zeigen wollen". Die Rapidler hätten am Westbahnhof "die gegnerischen Fans durch Gesänge demoralisieren" wollen. Gewalt sei "nicht mehr als beim Fußballmatch" Thema gewesen.

Verteidiger sprechen von "Hexenverfolgung"
Die Verteidiger der Angeklagten hatten zuvor erklärt, es sei nicht gelungen, diejenigen, die sich unkenntlich gemacht und allenfalls Gewalttätigkeiten gesetzt hätten, auszuforschen. Dafür habe man ausnahmslos sämtliche anhand von Foto- und Videoaufnahmen identifizierbaren Rapid-Anhänger ohne entsprechende Beweise zur Anklage gebracht. "Hier ist überschießend reagiert worden", betonte Anwalt Tomanek.

Sein Kollege Johannes Schmidt fühlte sich gar an eine Art "Hexenverfolgung" erinnert. Die Behörden hätten es sich leicht gemacht und "nicht anständig ermittelt", erklärte er. Es werde ausschließlich gegen Rapid-Fans vorgegangen, obwohl die ersten Gewalttätigkeiten von Austria-Anhängern gesetzt worden seien: "Ich vermisse Austrianer", erklärte Schmidt mit Blick auf die Anklagebank.

"Man wollte Präsenz zeigen"
Strafrechtlich betrachtet ist für die Verteidiger der Tatbestand des Landfriedensbuchs nicht erfüllt. Beim Marsch zum Westbahnhof habe es sich keinesfalls um eine dafür nötige "wissentliche Zusammenrottung einer Menschenmenge" gehandelt, die auf schwere Sachbeschädigungen und Körperverletzungen abzielte. "Tatsächliche Intention war, dass man Präsenz zeigen will", sagte Marcus Januschke, der Rechtsbeistand des Chefs der "Rapid Ultras". Neben den "Ultras" fanden sich auf der Anklagebank vor allem Vertreter aus den Fan-Gruppen der "Lords" und der "Flodo Boys".

Man habe die von aus einem Auswärtsmatch heimkehrenden Austrianer mit Schmähgesängen empfangen wollen. Bei dem Ganzen habe es sich um keine konzertierte Aktion gehandelt, es habe im Vorfeld keine Absprachen gegeben, so die Anwälte der 30 anwesenden Angeklagten.

Staatsanwältin: "Es war jedem bewusst"
Staatsanwältin Pulker sah das freilich anders. "Es war jedem bewusst, dass es zu Attacken gegen Austrianer und Gewalttätigkeiten kommen wird", erklärte sie und forderte den Schöffensenat (Vorsitz: Martina Frank) auf, dafür Sorge zu tragen, die Rapid-Fans "wegen Landzwangs mit aller Strenge zu verfolgen".

Angeklagte zeigten ihr Gesicht nicht
Der Prozess gegen die Rapid-Fans hatte Montag früh unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und mit einiger Verspätung begonnen. Die Angeklagten und Prozessbeobachter hatten sowohl im Eingangsbereich des Landesgerichts, als auch unmittelbar vor dem Großen Schwurgerichtssaal Sicherheitsschleusen und anschließende Personenkontrollen zu überwinden. Im Saal selbst hatten sich zahlreiche Sicherheitskräfte positioniert. Das Interesse an der Verhandlung hielt sich jedoch in Grenzen: Abgesehen von zahlreichen Medienvertretern wohnten dieser erstaunlich wenige "Kiebitze" bei, der Saal war bei weitem nicht gefüllt.

Die 32 Angeklagten, gegen die vorerst verhandelt wird, hatten auf namentlich gekennzeichneten Sesseln Platz zu nehmen. Als die Fotografen und Kamerateams in den Saal gelassen wurden, verbargen die meisten ihre Gesichter hinter Zeitungen, Schreibblöcken und Aktenordnern oder zogen sich die Kapuze ihrer Pullis über den Kopf. Zwei Plätze blieben frei: Einer der Beschuldigten liegt im Spital, ein weiterer blieb dem Verfahren vorerst unentschuldigt fern.

Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt. Die Urteile wird es voraussichtlich erst 2012 geben. Den Rädeslführern drohen im Fall von anklagekonformen Schuldsprüchen bis zu drei Jahre Haft.

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